Praktikum in einer Wohltätigkeits-und Jugendentwicklungs-Organisation


Singapur Juli-November 2012

Ich bin nach Singapur gereist um dort ein fünfmonatiges Praktikum in einer sozialen Organisation zu absolvieren. Die Organisation hilft Jugendlichen beim Verwirklichen ihrer Träume, indem sie speziell dafür ausgebildete Betreuer in verschiedene Schulen schickt. Diese besonderen Unterrichtsstunden sind sogar in den regulären Stundenplan integriert. Im Unterricht werden vor allem Soft Skills wie Teamwork, Selbstvertrauen, Durchsetzungsvermögen und zusätzlich der gegenseitige Respekt vermittelt. Außerdem arbeiten die jeweiligen Betreuer mit der gleichen Klasse von Januar bis Dezember. Im Falle von Mobbing wird dies auch mit der gesamten Klasse geklärt. Das besondere hierbei ist, dass der Vorfall mit allen Schülern im Dialog geklärt wird, ohne die betroffenen Personen zu nennen.

Eigentlich wollte ich in einer Organisation arbeiten welche im Kulturbereich angesiedelt ist (Musik/Kunst) um mehr über kulturelles Management zu erfahren.  Mittlerweile bin ich jedoch sehr froh darüber, dass ich mich im Endeffekt für genau diese Organisation entscheiden habe, da ich dadurch unglaublich viel über generelles Management, Büroarbeit, Organisation und die Kulturunterschiede in einer einheimischen Firma gelernt habe. Der Unterschied zwischen Europa und Asien war zu Beginn eine große Herausforderung für mich. Besonders die Sprache stellte ein extremes Problem dar, weil die Asiaten nicht das normale Englisch, sondern vielmehr einen wirren Mix aus Englisch, Chinesisch und Malaysisch, sprechen, welcher zu vielen anfänglichen Missverständnissen führte. Als ich mich jedoch an diese Art englisch zu sprechen gewöhnt hatte wurde mir klar, dass es eine sehr gute Übung für mich darstellte-vor allem im Bezug auf das flüssige Sprechen.

AUFGABEN

Meine Aufgaben gestalteten sich sehr unterschiedlich. Ich half zum Beispiel mit der tagtäglichen Administrationsarbeit im Büro. Aber ich war auch verantwortlich für die eigenständige Organisation der  Workshops für die Studenten. Des Weiteren lernte ich wie man ein soziales Lernprojekt für die Studenten vorbereitet. Zusätzlich nahm ich an verschiedenen Volontärinterviews teil, die ich am Ende meines Praktikums auch leiten durfte.  Das Unterstützen der Lehrgänge und Einführungsveranstaltungen für die Freiwilligen gehörten auch zu meinem Aufgabenbereich. Auch in die Mitarbeiterbeurteilung wurde ich involviert. Hier war ich verantwortlich für das Filmen ihrer Unterrichtsstunden. Übrigens hatte ich auch die Möglichkeit kreativ zu sein. Ich entwarf Poster, bereitete Präsentationen vor, gestaltete neue Magazine und war die Fotografin ihrer Vorzeigeprojekte.  Am Ende meines Praktikums gab es eine große Konferenz, welche von meinem Unternehmen organisiert wurde. Ich durfte damals die Besucher an der U-Bahn-Station begrüßen und sie in die Konferenzsäle begleiten. Alle Workshops waren erfolgreich. Die Studenten genossen meine Unterrichtsstunden. Ihnen schmeckte mein Kartoffelsalat und sie freuten sich über die Karnevalsaktion, welche ich veranstaltete. In der Reflektionsphase sagten alle Studenten, dass ihnen mein Unterricht Spaß gemacht hat. Über das Lob eines Mädchens, welches sagte, dass sie mir einfach gerne zuhörte freute ich mich besonders. Das war einfach unbeschreiblich und eines der besten Feedbacks, welche ich erhalten konnte.

Ein weiteres Projekt war die Vorbereitung der Küstensäuberung. Dies ist ein Lernprojekt für Schüler. Es soll ihnen beibringen, dass es wichtig ist etwas für die Gemeinschaft zu tun. Meine Aufgabe bestand darin den Schülern den Ablauf am Strand zu erklären insbesondere auch auf die Sicherheitsvorkehrungen aufmerksam zu machen. Gemeinsam mit meinem Kollegen bereitete ich die zugehörige Power Point Präsentation vor. Während der Aktion kontrollierten wir den Ablauf und leiteten die Diskussionsrunde im Anschluss. Eine sehr gute Aussage eines Mädchens war, dass sie sich jetzt viel besser in den Job einer Putzkraft hineinversetzen kann. Dies war genau das Ergebnis, welches wir erzielen wollten.

DIE MORAL VON DER GESCHICHTE

In meiner Zeit in Singapur meisterte ich viele Aufgaben und lernte viele wertvolle Lektionen, aber vor allen Dingen lernte ich viel über mich selbst. Ich dachte immer ich sei nicht gut im Organisieren-aber ich bin es! Durch all meine unterschiedlichen Aufgaben bin ich offener geworden. Ich habe mehr Charakterstärke bekommen und auch wenn einmal etwas schief geht bleibe ich ruhig und kann besser mit der Situation umgehen. Manchmal wusste ich nicht ob ich gut mit bestimmten Situationen umgehen kann-aber Singapur hat mir gezeigt wer ich wirklich bin. Ich kann viel mehr als ich mir zugetraut habe und erledige meine Aufgaben schnell und ordentlich. Außerdem habe ich festgestellt, dass ich ein sehr positiver Mensch bin. Selbst wenn ich oder andere Menschen ein Problem haben, dann versuche ich immer das Beste aus der Situation zu machen. Zusätzlich weiß ich nun, dass ich auch aus jeder schlechten Erfahrung etwas lernen kann.

Ich habe nicht nur gelernt wie unser Unternehmen funktioniert, sondern auch viel über die asiatische Kultur. Es war eine sehr gute Entscheidung in einer einheimischen Unternehmung zu arbeiten und nicht in einer internationalen. Denn auch hier hatte ich die Gelegenheit viel zu reisen und ich wurde immer unterstützt. Ich werde diese Zeit nie vergessen und freue mich über das schöne und lehrreiche Praktikum.