Meine 6 Monate in Peru


In meinem 6-monatigen Auslandsaufenthalt in Peru habe ich viele Dinge erlebt und sehr interessante Menschen kennengelernt. Auch wenn der erste Schritt nach Südamerika schwierig war und Überwindung gekostet hat, bin ich jetzt im Nachhinein sehr glücklich über diese Entscheidung. Ich konnte nicht nur meine Sprachkenntnisse in Englisch und Spanisch verbessern, sondern auch die Kommunikation mit Leuten aus aller Welt. Die interessante Kultur und die Freundlichkeit der Menschen in Peru haben mich besonders beeindruckt. Die Menschen tragen traditionelle Kleider sowohl im Alltag als auch an Festtagen. Die Landschaft und die vielen verschiedenen Klimazonen in Peru, wie z.B. Wüste, Hochgebirge, Strand- und tropische Gebiete sind ebenfalls bemerkenswert. Mein Praktikum habe ich in Cusco im Südosten Perus absolviert. Die Stadt liegt auf etwa 3 400 Meter und ist sehr stark von der Kultur der Inkas geprägt. In den umliegenden Bergregionen und Tälern gibt es ebenfalls viele Stätten und Ruinen der Inkas.

Die Organisation

Mithilfe der Organisation „studentsgoabroad“ hatte ich die Möglichkeit, ein Praktikum in meinem Wunschland Peru zu finden. Hierfür musste ich lediglich meinen Lebenslauf und ein Motivationsschreiben auf Englisch oder Spanisch einreichen. Die Betreuung im Vorfeld des Auslandaufenthaltes war sehr gut und ich konnte jederzeit Fragen und Wünsche zu meinem Aufenthalt und meiner Reise äußern. Für mich war es wichtig, dass alles gut organisiert wird und deshalb habe ich das gesamte Paket gebucht. Dadurch hatte ich auch einen direkten Ansprechpartner in Cusco, mit dem ich verschiedene Einzelheiten zur Wohnung, dem Sprachkurs und Wissenswertes über die Stadt und Region austauschen konnte. Durch wöchentlichen Treffen und zusätzlichen Aktivitäten konnte ich sehr viele Leute aus aller Welt kennenlernen und Freundschaften schließen.

Praktikum

Das Praktikum, das ich in Cusco angetreten hatte, war in einem kleinen Unternehmen. Anfangs war ich etwas überrascht wie klein die Firma ist, weil ich mit einem großen Produktionsstandort gerechnet hatte. Letztlich ist es mehr oder weniger ein Verkaufsshop mit Reparaturwerkstatt für die Instandhaltung. Die Geschäftfelder setzen sich aus dem Verkauf von Solarsystemen und Reinigungssystemen zusammen. Die Geräte sind dabei Originalprodukte aus Deutschland, also echte Markenqualität. Im Unternehmen arbeiten insgesamt acht Leute. Mein Chef ist halb Peruaner und Franzose und wollte sich in Peru, speziell in Cusco, selbst etwas aufbauen. Er spricht meistens Spanisch, Französisch oder Englisch. Die Kollegen sprechen hauptsächlich Spanisch aber auch etwas Englisch. Während meinen gebuchten 16 Wochen dort habe ich Reinigungssysteme repariert und für die Kunden in Gang gesetzt, Webseiten für den Verkauf der Geräte aller Art und für Solar- sowie Fotovoltaik-Anlagen erstellt. Zusätzlich habe ich noch die Kalkulation von Solaranlagen für Hotels und private Poolanlagen gemacht. Die Arbeit mit den Kollegen war oft sehr gut, ich konnte mein Spanisch enorm verbessern. Die Arbeitszeiten sind etwa von 8:30 Uhr bis 18:30 Uhr mit 1,5 Stunden Mittagspause. Gearbeitet habe ich Montag bis Freitag, die Kollegen teilweise auch Samstag. In Peru werden zumeist sechs bis sieben Tage die Woche gearbeitet, weil man sonst nicht genügend Geld verdient. Die lange Arbeitszeit machte mir nichts aus, weil die Aufgaben interessant und die Kollegen sehr nett waren. 

Flug & Anreise

Mein Flug ging von Frankfurt nach Cusco mit Umstieg in Sao Paulo und Lima. In Lima allerdings musste ich aus- und wieder neu einchecken, da es mit einem nationalen Flug weiter ging. Die Flüge nach Südamerika sind generell ziemlich teuer, weshalb man relativ früh buchen sollte. Mit 4 Wochen vor Reiseantritt habe ich etwa 1.300 Euro ausgegeben. Empfehlenswert ist es auch direkt Hin- und Rückflug zu buchen, da manche Länder in Südamerika dies aufgrund von Einreisebedingungen erwarten. In Cusco wurde ich von Duzan, meinem Betreuer vor Ort, mit dem Taxi abgeholt und vorerst in ein Hostel gebracht, weil sich etwas mit den Wohnungen geändert hatte. Einen Tag später war ich dann in einem Apartment bei einem Pärchen untergebracht. Dort blieb ich für zwei Wochen und wechselte anschließend in mein dauerhaftes Apartment, welches auch eine bessere Anbindung von Bus und Taxi zur Innenstadt aber auch zur Arbeit geboten hat. 

Visum

Für ein Auslandspraktikum oder eine Freiwilligenarbeit von weniger als 183 Tagen benötigt man normalerweise kein besonderes Visum. Mit der Einreise wird bereits ein Touristenvisum in Form einer Migrationskarte erstellt. Dabei muss man auf die Aufenthaltsdauer achten, die im Reisepass eingetragen wird; normalerweise sind dies 90 Tage. Während des Fluges nach Lima habe ich bereits die Migrationskarte für Peru ausgefüllt, die immer bei Grenzübertritt von/nach Peru aus oder in ein anderes Land zusammen mit dem Reisepass mitgetragen werden muss. Damit man diese Aufenthaltsbegrenzung nicht überschreitet, empfiehlt es sich wenigstens eine Nacht außerhalb Perus zu verbringen, z.B. durch eine Busreise zum Titicaca-See auf bolivianischer Seite, da dies mit 10-14 Stunden Busfahrt noch verhältnismäßig sehr nahe von Cusco entfernt liegt.

Auslandsversicherung

Ich kann empfehlen ein Gesamtversicherungspaket für das Ausland abzuschließen. Dies bedeutet Reise-Krankenversicherung ohne Selbstbehalt, Reise-Unfallversicherung, Reisegepäck-Versicherung und Reise-Haftpflichtversicherung. Auf der langen Reise ist es ebenfalls sinnvoll für das Gepäck und den wertvollsten Inhalt wie Erinnerungsstücke und Geschenke eine Versicherung abzuschließen. Im ersten Moment klingt dies zwar übertrieben, ich war dennoch froh dies alles abgeschlossen zu haben. Die Gefahr, sich z.B. eine Salmonellen-Erkrankung einzufangen ist in Peru recht groß, da das Wasser aus der Leitung nicht trinkbar ist und in günstigen Restaurants die Lebensmittel wie Gemüse und Obst trotzdem mit dem chlorhaltigen Wasser gewaschen werden. Bei Erkrankung sollte man deshalb sofort ein privates Krankenhaus aufsuchen sowie die Versicherungsbescheinigung und den Reisepass mitnehmen. Ebenfalls kann auch ein Diebstahl von Wertsachen erfolgen. Besonders iPhones werden oft geklaut, wenn man selbst nicht ausreichend darauf achtet, dass die Taschen von Jacken geschlossen sind oder die Sachen in der hinteren Hosentasche getragen werden. Bzgl. Smartphones ist es empfehlenswert ein klassisches Handy für Telefonate im Inland zu verwenden und eine Prepaidkarte zu kaufen, die übrigens sehr günstig sind. Trotzdem ist man besonders auf großen Märkten dem Diebstahl ausgeliefert, weil man z.B. während man bummelt Reiskörner auf den Kopf geworfen bekommt und so abgelenkt werden könnte. 

Impfungen

Für die Einreise in Peru sind keine Impfungen vorgeschrieben, wobei es dennoch empfehlenswert ist, sich gegen typische Infektionen impfen zu lassen. Dazu gehören Hepatitis A und B, Tetanus und Gelbfieber. Ansonsten sind Typhus, Tollwut und Malaria-Tabletten für Dschungel-Aufenthalte ebenfalls empfehlenswert.

Kreditkarte und Geld

Eine Kreditkarte ist für das europäische Ausland, also auch für Südamerika ein Muss. Hier ist besonders die VISA-Card zu empfehlen; die MasterCard ist teilweise auch möglich. Abheben sollte man sein Geld vom Konto an ATMs großer und seriöser Banken. Es können sowohl Soles als auch Dollar abgehoben werden. Ebenfalls ist ein Tausch von Euro und Dollar in Soles möglich, wobei man auf Falschgeld bei Münzen und Scheinen achten muss.

Reiseziele

Während meiner Zeit in Peru konnte ich aufgrund meines Praktikums nur am Wochenende verreisen. Da es aber viele Eintagestouren in und rund um Cusco gab, konnte ich dies immer gut nutzen. Auch weiter entfernte Reiseziele wie z.B. zum Titicaca-See konnte ich mit Übernacht-Busfahrten realisieren, die Freitag-Nacht starten und Montag-Früh wieder in Cusco ankommen. Die angebotenen Touren in Cusco beinhalten Trekking-Touren nach Machu Picchu, aber auch Fun-Activities, wie Mountain-Biking, Quad-Fahren, Rafting, Zip-Lining, Bungee Jumping, Paragliding uvm. Auch von der Kultur der Inkas gibt es viele Sehenswürdigkeiten, die immer von spanisch- und englisch-sprechenden Reiseführern präsentiert werden. Während meiner freien Zeit konnte ich auch andere Länder wie Bolivien, Ecuador und Kolumbien besuchen sowie eine 6-Tages-Bustour durch Peru machen.

Eindrücke aus Cusco

Während meines Aufenthalts in Cusco habe ich überwiegend in einer 6er-WG gewohnt. Die Mitbewohner waren auch aus unterschiedlichen Ländern und die meiste Zeit wurde Englisch gesprochen. Die Wohnung war relativ groß und mit zwei Bädern gut ausgestattet. Außerdem gab es eine Küche mit Gasherd und jeder hatte sein eigenes Fach für Lebensmittel. Die Wohnung war zwar nicht zentral gelegen, aber nur 10 min Busfahrt oder 30 min Fußmarsch von der historischen Innenstadt entfernt. Die Stadt an sich ist noch wie zu Inkas Zeiten angelegt und es gibt noch sehr viele originale Gebäude. In den vielen verschiedenen Museen der Stadt sieht und lernt man viel über die Geschichte der Inkas. Daher gibt es auch viele Sehenswürdigkeiten in und rund um die Stadt. Bedeutend nicht nur für Cusco ist der „Plaza de Armas“, der Hauptplatz in jeder peruanischen Stadt; genauso wie die Jesus-Figur „Cristo Blanco“, die es ebenfalls in jeder Stadt Perus gibt. 

Das Klima in Cusco ist über das Jahr relativ beständig. Es gibt keine kalten Winter mit Minus-Graden; es gibt keine heißen Sommer über 30°C. Da die Stadt auf 3 400 Meter liegt, ist es meist sehr frisch. Im Winter ist es aber oft sonnig und Sonnenbrandgefahr ist schon nach einer Stunde gegeben. Im Sommer ist hauptsächlich die Regenzeit, speziell in den Monaten November bis Februar. Insgesamt gewöhnt man sich aber schnell an die Umgebung und die Leute. Nur die Höhenlage kann einem teilweise Kopfschmerzen oder Kreislaufprobleme bereiten. Hierfür gibt es dann peruanischen Coca-Tee zur Abhilfe, der aber bei uns in Deutschland verboten ist.

Das Leben in Cusco ist sehr einfach. Die Leute arbeiten die ganze Woche über, auch sonntags. Sie sind sehr nett und hilfsbereit, trotz der Armut vieler Leute. Wenn man als Tourist in Cusco ist, dann fällt das einem nicht gleich auf, denn die Leute verbergen es und sind trotzdem freundlich, denn sie sind auf den Tourismus angewiesen. Vorschriften gelten auch meist für gut verdienende Leute. Einfache Leute wie Taxifahrer müssen sich nur darum kümmern, ihre Familie ernähren zu können. Es gibt viele Kinder, die tagsüber Schmuck und Erinnerungsstücke an Touristen verkaufen, um damit Geld für die Familien zu verdienen. Meist sind die Kinder vormittags in der Schule und nachmittags/abends auf der Straße zum Verkaufen. 

Wenn man das Leben in einer südamerikanischen Stadt nicht kennt, dann merkt man gleich, dass man besonders auf den Verkehr zu achten hat. Denn hier gilt, dass das Auto vor dem Fußgänger Recht hat. Und je größer das Auto, desto mehr Rechte. 

In der Stadt gibt es unterschiedliche Restaurants. Manche bieten einfache Menüs für Einheimische relativ günstig an, andere haben teurere Preise mit besonderen Spezialitäten, wie z.B. einem Alpaca-Steak. Allerdings bedeutet günstiges Essen auch die Gefahr an Salmonellen zu erkranken. 

In meiner Freizeit unter der Woche und am Wochenende traf ich mich mit Kollegen und Freunden zum Essen und zum Feiern. Gern hat man neue oder empfohlene Restaurants in der Stadt ausprobiert. Eine gute Kombination bieten auch Hostels wie WildRover und Kokopelli mit Disco-Musik. Es gibt auch viele gute Discotheken rund um das Zentrum der Stadt. Insgesamt bietet Cusco sehr viele Möglichkeiten und man kann eigentlich immer etwas unternehmen oder erleben, weshalb man gut auf Fernsehen und Internet verzichten kann.

Fazit

Zusammenfassend kann ich eine Reise nach Südamerika, speziell nach Peru, nur empfehlen. Man lernt nicht nur Spanisch, sondern kann auch sein Englisch durch die vielen Leute, die aus aller Welt kommen, anzuwenden und zu verbessern. Die meisten Leute sind dort, um ein Praktikum, ein Volontariat oder sogar nur einen Sprachkurs während einer Südamerika- oder Weltreise zu machen. Das Land Peru bietet durch die vielen verschiedenen Klimazonen unterschiedliche Landschaften, die man mit organisierten Bustouren durchqueren kann.