Auslandspraktikum in einer Anwaltskanzlei in London


Ich habe mein Praktikum in einer Anwaltskanzlei gemacht. Die Kanzlei hat mehrere Büros in London verteilt und auch in einigen anderen britischen Städten.

Organisation des Praktikums

Ich habe mich damals bei studentsgoabroad über ein Praktikum in einer Anwaltskanzlei erkundigt, da ich dieses gerne während meiner recht langen Semesterferien im Ausland machen wollte. Ich bekam sehr schnell eine Antwort und habe viele Informationen über ein Auslandspraktikum bekommen. Als ich mich dann dafür entschieden und mich angemeldet habe, ging die Organisation meines Praktikums los. Ich habe sehr viele Tipps für meinen Lebenslauf und mein Motivationsschreiben von meinen Ansprechpartnern bei studentsgoabroad bekommen und auf Nachfragen wurde immer schnell geantwortet, sodass nicht zu viel Zeit verschwendet wurde.

"Ich wurde regelmäßig von meinen Ansprechpartnern in dieser Organisation auf dem Laufenden gehalten"

Als ich meine Bewerbungsunterlagen fertig hatte, wurden sie an eine Partnerorganisation in London weitergereicht, die sich dann vor Ort nach möglichen Praktikumsplätzen erkundigt und meine Unterlagen an eine Anwaltskanzlei geschickt hat. Ich wurde regelmäßig von meinen Ansprechpartnern in dieser Organisation auf dem Laufenden gehalten und als ein Interviewtermin vereinbart wurde, haben sie mir auch noch Hilfe für das Interview per Telefon gegeben. Nach dem Interviewtermin hat es noch mal recht lange gedauert, bis die Kanzlei sich wieder gemeldet hat, aber ich wurde trotzdem immer wieder mal angeschrieben und informiert, warum es so lange dauern würde. Letztendlich habe ich den Praktikumsplatz dann auch bekommen.

Da ich mit der Wohnungssuche erst warten wollte, bis ich wirklich einen Platz habe, war ich dann etwas spät dran mit der Unterkunftssuche. Die Partnerorganisation in London hat mir aber auch dabei geholfen, indem sie einen von mir ausgefüllten Bogen an eine Unterkunftsvermittlung geschickt haben, die mir wiederum dann mögliche Gastfamilien vorgeschlagen hat. So ging es dann auch relativ schnell, dass ich ein schönes Zimmerchen in einer Gastfamilie bekommen habe und mein Praktikum konnte beginnen.

Das Praktikum

Ich habe mein Praktikum in einer Anwaltskanzlei gemacht. Die Kanzlei hat mehrere Büros in London verteilt und auch in einigen anderen britischen Städten. Ich habe in den zwei Monaten meines Praktikums in der Strafrechtsabteilung gearbeitet, was etwas schade war, da es in dem Büro auch eine Familienrechtsabteilung gegeben hat, was besser zu meinem Studium gepasst hätte. Hier gab es aber leider keine Arbeit für mich. Doch trotz des „falschen“ Rechtsgebiets habe ich in der Kanzlei so viel sehen und so viele Erfahrungen sammeln können, dass ich mich im Endeffekt nicht beschweren möchte.

Meine Chefin und ein anderer Anwalt der Kanzlei haben beide versucht, mir so viel wie möglich zu zeigen und auch viel Abwechslung in meinen Arbeitsalltag zu bringen. 

Am Anfang habe ich noch die typischen Aufgaben wie Akten sortieren oder kopieren bekommen. Doch schon nach zwei Tagen wurde ich in ein Büro mit vier anderen gesetzt und durfte Klientenbriefe schreiben und verschicken, in denen die Klienten über ihre Anklagen und die jeweiligen Strafen informiert wurden. Am Anfang war das noch sehr kompliziert für mich, da ich beispielsweise die Notizen der Anwälte nicht entziffern konnte oder auch keine Ahnung hatte, was ich beispielsweise in einem Unterpunkt hinschreiben sollte. Doch meine Kollegen haben mir sehr viel geholfen, sodass ich mit der Zeit eine Routine hatte und das Briefe schreiben dann besser funktioniert hat. Meine Chefin und ein anderer Anwalt der Kanzlei haben beide versucht, mir so viel wie möglich zu zeigen und auch viel Abwechslung in meinen Arbeitsalltag zu bringen. So durfte ich mehrmals mit Anwälten ins Gericht und mir die Verhandlungen anschauen oder mit in Klientengespräche gehen, um die eigentliche Arbeit mit Klienten besser kennen zu lernen. Oft habe ich auch Fälle zusammengefasst und durfte dann mit in die Konferenzen von den jeweiligen Klienten und war oft erstaunt wie unterschiedlich die Aussagen der Klienten zu der eigentlichen Anklage waren. Einmal durfte ich mir auch eine Verhandlung in einem höheren Gericht ansehen, bei der ich mich wie im Fernsehen gefühlt habe, da sowohl die Richter, als auch die Anwälte noch die schwarzen Roben und die weißen Perücken getragen haben.

So ist London

Von London habe ich während meines Praktikums auch sehr viel zu sehen bekommen, da ich öfters umhergeschickt wurde, um Anträge im Gericht abzugeben, Beweismittel bei der Polizeistation abzuholen oder Kopien in andere Kanzleien zu bringen. Einmal wurde ich sogar mit dem Zug nach Cardiff geschickt (2 Stunden von London entfernt), um Kopien zu der Universität zu bringen, da an diesem Tag eine Frist abgelaufen wäre. Nachdem ich die Kopien abgegeben hatte, durfte ich den restlichen Tag in Cardiff verbringen.

Durch meine vielen Botengänge habe ich nicht nur fachlich viel gelernt, sondern bin auch selbstbewusster im Sprechen geworden.

Der Abschied von der Kanzlei ist mir sehr schwer gefallen, da meine Kollegen wirklich sehr nett zu mir waren, sich auch sehr für mein Studium interessiert und im Gegenzug mir das britische Rechtssystem näher gebracht haben. Durch meine vielen Botengänge habe ich nicht nur fachlich viel gelernt, sondern bin auch selbstbewusster im Sprechen geworden.

Gastfamilie und Leben in London

Meine Gastfamilie bestand aus meiner Gastmutter, ihrer Schwiegermutter und der Nichte der Schwiegermutter. Außerdem hat in einem zweiten Zimmer noch eine Studentin aus Brasilien gewohnt. Meine Gastfamilie war wirklich sehr nett und hat mir meinen Start in London auf jeden Fall erleichtert. Da die andere Studentin schon zwei Monate vorher gekommen ist, konnte sie mir bei organisatorischen Sachen helfen, wie z.B. eine gute SIM Karte zu finden oder mir eine Monatskarte (Oyster Card) zu kaufen.

Da die Familie griechische Wurzeln hatte, gab es oft auch griechisches Essen und ich konnte gleich zwei neue Kulturen kennen lernen

Sonntags kam meistens die ganze Familie meiner Gastmutter zusammen (Kinder, Enkel und Urenkel) und hat zusammen gegessen. Ich habe mich sehr wohl gefühlt, da mich alle wie einen Teil der Familie behandelt haben.

Da die Familie griechische Wurzeln hatte, gab es oft auch griechisches Essen und ich konnte gleich zwei neue Kulturen kennen lernen. An den Wochenenden habe ich dann viele Sehenswürdigkeiten mit der brasilianischen Studentin abgeklappert, wie Windsor Castle, das Themseufer und das Sherlock Holmes Museum. Oder wir sind einfach nur mal durch die Stadt gelaufen, was sehr viel Spaß gemacht hat, da es einfach was anderes ist, wenn man wirklich in London wohnt.

Aber auch die Partnerorganisation von studentsgoabroad hat immer wieder Aktivitäten angeboten, so war ich mit ihnen bei einer „Harry Potter- Tour“ durch die Warner Bros. Studios, habe einen Ghost Walk mitgemacht, bei dem sämtliche Gruselgeschichten Londons erzählt wurden und habe mich mit anderen Praktikanten und Mitarbeitern der Organisation abends in einer Kneipe getroffen, wo man dann von seinen unterschiedlichen Erfahrungen berichten konnte.

Beim Abschied von meiner Gastfamilie hatte ich einen Kloß im Hals, da sie mir doch sehr ans Herz gewachsen sind. Aber London ist ja nicht so weit weg und da ich auf jeden Fall wieder nach London kommen werde, wird man sich bestimmt noch mal sehen.

Mein Fazit?

Alles in allem kann ich nur sagen, dass dieses Praktikum eine unglaubliche Erfahrung war. Ich habe so viele neue Leute kennen gelernt, viel über das Land gelernt und bin mit meinem Englisch sicherer und selbstbewusster geworden.

Ich kann jedem, der die Zeit dafür hat, ein Praktikum im Ausland empfehlen, da man so viele Aufgaben erfüllt, auf die man später einfach nur stolz sein kann oder Erfahrungen sammelt und Leute kennen lernt, an die man sich gerne zurück erinnert.