5 Monate in Quito, Ecuador

Meine Gastfamilie

Als ich nach meinem langen Flug in Quito ankam, hat mich Laura, die Leitung der Organisation und gleichzeitig meine Gastmutter, in Empfang genommen und gleich hat mich ihr südamerikanisches Temperament begeistert. Ihre Familie lebt im nördlichen Teil Quitos und hat für ecuadorianische Verhältnisse einen sehr hohen Lebensstandard. Es gab warmes Wasser, sowie Internet und die Wohnung war so groß, dass ich und die anderen Freiwilligen alle ein einzelnes Zimmer hatten. 

Die Familie, bestehend aus Laura, ihrem Mann und deren zwei Kindern im Alter von 14 und 17 Jahren, ist mir sehr schnell ans Herz gewachsen und ich wurde wie ein weiteres Familienmitglied behandelt. Da die Familie schon seit über fünfzehn Jahren Freiwillige bei sich aufnimmt, waren alle sehr tolerant und auch interessiert an der Kultur und den Speisen, die ich aus Deutschland gewöhnt bin. Es war beispielsweise kein Problem, dass ich Vegetarierin bin. Es wurde jeden Tag für mich etwas Vegetarisches einzeln zubereitet. Außerdem konnte ich mich den ganzen Tag an deren Kühlschrank, Früchten und anderen Snacks bedienen. Ich habe das Essen geliebt und es war toll, dass die Familie regelmäßig typisch ecuadorianische Gerichte zubereitet hat. 

Durch das Leben in der Gastfamilie habe ich die ecuadorianische Kultur wirklich gut kennengelernt. Auch Weihnachten und Silvester habe ich mit ihnen verbracht und es war sehr interessant, die verschiedenen Traditionen an diesen Festen mitzuerleben. Durch viele Gespräche habe ich auch etwas über die ökonomische und politische Situation in Ecuador erfahren und ich war immer wieder erstaunt, wie sehr die Meinungen diesbezüglich auseinander gingen. 

Außer mir haben zu jeder Zeit auch andere Freiwillige und Praktikanten (bis zu sechs) in der Gastfamilie gewohnt. Als ich in Ecuador ankam, wurde ich sofort in die Gruppe der derzeitigen Freiwilligen aufgenommen und wir haben viele schöne Dinge zusammen gemacht. 

Ausflüge und das Leben in Quito

Unter der Woche haben wir zusammen Quito, mit dessen wunderschönen Parks, Aussichtspunkten, dem historischem Zentrum und Museen erkundet und an den Wochenenden sind wir durch ganz Ecuador gereist, um das gesamte Land kennenzulernen. Da war es auch kein Problem, wenn wir mal ein Wochenende verlängert haben. So waren wir beispielsweise im Regenwald (die wohl schönste Erinnerung, die ich an Ecuador habe!), haben Berge bestiegen oder uns einfach nur am Strand entspannt. Durch Busse ist alles sehr gut erreichbar und es ist nicht teuer: Meistens rechnet man etwa einen Dollar pro Stunde Fahrt. Das Tanzen ist der Teil der Kultur, der mich am meisten begeistert hat, da alle Menschen, ob jung, alt, dick oder dünn mit viel Spaß und Energie dabei waren. Der Gastvater hat uns, also mir und anderen Freiwilligen, Salsa-Stunden gegeben, was immer sehr lehrreich und lustig war. 

Meine Freiwilligenarbeit im Kindergarten

Unter der Woche habe ich meistens von 8:00 Uhr bis 12:30 Uhr in einem Kindergarten im eher ärmeren Süden Quitos gearbeitet. In diesem Kindergarten gibt es etwa 70 Kinder, die in drei Gruppen aufgeteilt wurden. Ich habe in der Gruppe der Dreijährigen gearbeitet und in den fünf Monaten sind mir die Kinder sehr ans Herz gewachsen. Meine Aufgabe war es, die Erzieherin bei ihrer Arbeit zu unterstützen, indem ich beispielsweise Bastelaufgaben vorbereitet habe, mit den Kinder gespielt und ihnen bei ihren Aufgaben geholfen habe. Das Wichtigste war jedoch, den Kindern Liebe und Geborgenheit zu schenken, da viele von ihnen genau das Zuhause nicht erfuhren. Ich hatte einige Kinder, die von ihren Eltern geschlagen oder sogar von Familienangehörigen sexuell missbraucht wurden. Für mich war das am Anfang nicht ganz einfach, da das Wissen, an der Situation des Kindes nicht wirklich etwas ändern zu können, sehr frustrierend war.

Ein kleiner aber wichtiger Beitrag für das Wohl der Kinder

Während meines Aufenthalts habe ich Laura auch dabei geholfen, ein Patenkindprojekt aufzubauen, durch das einige Kinder nun schon finanziell unterstützt werden können. Da freut man sich sehr, wenn man in dieser Form etwas zum Ganzen beitragen kann.

Wie ich mein Spanisch verbesserte

Die Arbeit im Kindergarten hat mir auch sehr dabei geholfen, mein Spanisch zu verbessern. Bevor ich nach Ecuador gekommen bin, hatte ich schon einige Vorkenntnisse in Spanisch, da ich fünf Jahre Spanischunterricht in der Schule hatte. Es gab jedoch auch andere Freiwillige, die kaum Vorkenntnisse hatten und auch irgendwie zurecht gekommen sind!

In meiner ersten Woche hatte ich nach der Arbeit in meinem Projekt täglich drei Stunden Spanischunterrricht in Form von Privatstunden, die im Haus der Gastfamilie stattgefunden haben. Die Lehrerin war sehr gut und ich habe in dieser kurzen Zeit einiges gelernt. Nach diesen fünf Monaten kann ich auf jeden Fall eine flüssige Unterhaltung führen, auch wenn mein Spanisch sicherlich auch hätte besser sein können, da es doch auch vom eigenen Fleiß abhängt. 

Fazit

In meiner Zeit hier in Ecuador habe ich also, wie ich es mir davor gewünscht hatte, wirklich ein neues Land samt seiner Natur, Kultur und seinen Menschen kennengelernt und ich bin unglaublich froh und dankbar, dass ich diese Erfahrungen machen konnte! 

Ich werde sicherlich noch einmal hierher zurückkehren!