Ausbildungsstart - Was muss ich beachten?


Nach der Schule oder nach dem Studium beginnt eine neue Phase: Die Ausbildung in dem Job, auf den der bisherige Bildungsweg einen hingeführt hat. Nach dem Studium sind dies meist Volontariate, Referendariate oder Trainee-Programme. Klassische Ausbildungen werden meist nur nach der Schule angeboten. Ich habe mich nach meinem Abitur dazu entschieden, eine Ausbildung zu absolvieren und zwar im handwerklichen Bereich. Mittlerweile habe ich diese erfolgreich abgeschlossen und bin als Geselle in einem anderen Betrieb angestellt. Mein Ausbildungsbetrieb konnte mich aus Kostengründen nicht übernehmen. Bei meinem neuen Arbeitgeber merke ich immer wieder, dass die neuen Auszubildenden in den ersten Tagen nicht so recht wissen, wie sie sich verhalten sollen. Es gibt eine große Unsicherheit, nicht nur im Hinblick auf ihre Ausbildung, sondern auch im Hinblick auf die ganzen Pflichten und Verantwortungen, die nun auf sie zukommen. Mich selbst hat es damals einige Zeit gekostet, ehe ich heraushatte, was ich wirklich brauche und was nicht. Ich möchte anderen Auszubildenden durch meine Erfahrung helfen, die ersten Tage mit einer weniger großen Unsicherheit zu überstehen.

Vor dem ersten Tag

Der Ausbildungsvertrag ist in den meisten Fällen vor dem eigentlichen Start zu unterschreiben. Dies ist eine Absicherung für das Unternehmen wie auch für den Auszubildenden: Durch die Unterschrift geben beide bekannt, dass sie sich auf das Ausbildungsverhältnis einlassen und nicht kurzfristig noch abspringen werden, etwa weil sie ein besseres Angebot erhalten. Es ist außerdem wichtig, sich um seine Versicherungen zu kümmern. Mit diesem Schritt in das Berufsleben erlischt beispielsweise die Familienkrankenversicherung. Eine Haftpflichtversicherung kann außerdem nicht schaden, falls mal etwas zu Bruch geht. Ich habe mich damals bei verschiedenen Versicherungen eingehend informiert, welche Policen für mich infrage kommen und sinnvoll sind. Eine gute Übersicht über die notwendigen Abschlüsse bietet zum Beispiel Ergo Direkt auf seiner Ratgeberseite. Anhand dessen ist es einfacher, sich zu orientieren und sich zu keiner unnützen Versicherung überreden zu lassen. Neben der Versicherung ist es auch wichtig, insoweit mit seinem künftigen Ausbilder in Kontakt zu bleiben, dass er einem etwas über die Kleiderordnung auf der Arbeit sagen kann. In meinem Fall brauchte ich robuste Arbeitskleidung, die sich für das Arbeiten mit Holz eignet.

Pünktlichkeit

Die Deutschen legen Wert auf ein pünktliches Erscheinen und der neue Chef bildet darin keine Ausnahme. Vor allem an den ersten Tagen ist es besser, ein paar Minuten zu früh da zu sein anstatt zu spät. Damit das Verschlafen nicht direkt am ersten Tag auftritt, ist es gut, sich den Wecker lieber eine halbe Stunde eher zu stellen. Außerdem sollte der Arbeitsweg bekannt sein - ich bin meinen damals vor meinem ersten Arbeitstag mehrmals mit dem Auto abgefahren, wie dies auch unicum.de empfiehlt. Gibt es auf der Autobahn oder auch in der Stadt einen Stau, der sich hinzieht, ist es sinnvoll, den Ausbilder anzurufen und ihm dies mitzuteilen. Dadurch weiß er, dass kein Verschlafen an der Verspätung Schuld ist und wird eher Verständnis zeigen. 

Der erste Eindruck zählt

Jeder Mensch hat nur eine Chance für einen ersten Eindruck. Verschenkt er diese, ist es schwer, dieses Bild wieder geradezurichten. Es ist daher wichtig, gleich am ersten Tag freundlich, motiviert und interessiert aufzutreten. Es gilt, den Ausbilder für sich zu gewinnen, damit er einen nach seinen besten Möglichkeiten fördert und fordert. Dies bedeutet aber nicht, sich gleich auf alle Arbeiten zu stürzen. In den ersten Tagen ist es wichtig, den Betriebsablauf kennen zu lernen. Alle Mitarbeiter werden einem vorgestellt, die verschiedenen Abteilungen erklärt. Während dieser Zeit lernt der Azubi, welche Angestellten etwas zu sagen haben und welche nicht, sowie welche Spielregeln es gibt; Werden Probleme beispielsweise direkt mit der betreffenden Person angesprochen oder führt der Weg gleich über den Vorgesetzten? Trotz der Eingewöhnung und der vielen neuen Eindrücke sollte der Auszubildende aber nicht passiv sein. Es spricht für den guten Eindruck, wenn er mit anpackt und auch freiwillig seine Hilfe anbietet und an Aufgaben herangeht, beschreibt ausbildung.net. Ich habe während meiner ersten Tage gelernt, dass es sehr vorteilhaft ist, aufgeschlossen und hilfsbereit zu sein. Dies gilt zudem nicht nur in den ersten Tagen der Ausbildung sondern generell bei Aufnahme eines neuen Jobs.

Tasche packen für den ersten Arbeitstag

Im Normalfall verlässt kein Azubi seine Wohnung, ohne eine gefüllte Tasche dabei zu haben. In dieser sind seine Verpflegung wie auch notwendige Unterlagen enthalten. Am ersten Tag sollten außerdem die Lohnsteuer-ID und die Sozialversicherungsnummer wie auch eine ärztliche Bescheinigung vorhanden sein, falls der Arbeitgeber diese wünscht. Wenn es bisher noch nicht passiert ist, so wird der Chef spätestens am ersten Tag nach der Bankverbindung fragen, damit das Gehalt am Ende des Monats überwiesen werden kann. Bis zum ersten Arbeitstag sollte der Auszubildende daher über ein Girokonto verfügen und die Kontodaten parat haben. Weiter ist ein Block nebst Stift hilfreich. Dieser sollte immer zur Hand sein, wenn der Ausbilder mit einem spricht, um sich bei Bedarf wichtige Dinge aufschreiben zu können. Dies zeigt neben dem Interesse auch guten Willen und die Absicht, alles schnell zu erlernen, wodurch der Azubi einen aufmerksamen und interessierten Eindruck beim Ausbilder hinterlässt.

Die folgenden Wochen und Monate

Nach den ersten paar Tagen wird es entspannter, morgens zur Arbeit zu gehen. Der Körper gewöhnt sich außerdem an den neuen Rhythmus und ist nicht mehr so schnell erschöpft. Wichtig ist aber, dass die Auszubildenden nicht damit aufhören, Fragen zu stellen, auch wenn sie einiges schon wissen. Wenn ein Problem auftritt, sollten der Ausbilder oder die Kollegen sofort um Rat gefragt werden, damit schnell eine Lösung gefunden wird. In den ersten paar Monaten erwartet noch keiner von einem Azubi, selbst eine Möglichkeit zu finden. Dafür fehlt ihm oder ihr in den meisten Fällen die nötige Erfahrung. Es ist außerdem wichtig, dass sich zwischen Ausbilder und Auszubildendem ein regelmäßiges Feedback etabliert. Dabei erfährt der Letztere wahrscheinlich auch einige Male Kritik; diese sollte er aber positiv nutzen und daran wachsen, um diese Punkte nicht mehr aufkommen zu lassen und um ein Lob zu erhalten.


Autor: Jan Schulz absolvierte im Jahr 2012 erfolgreich eine Tischlereiausbildung. Momentan arbeitet er als Geselle in einem Betrieb, hat sich aber die Meisterschule als Ziel gesetzt, um selbst junge und interessierte Menschen in der Arbeit mit dem Holz ausbilden zu können.