Wie paradiesisch ist eigentlich das Paradies?


Bali. Wer an Bali denkt, denkt an eine paradies-ähnliche Trauminsel, die sich irgendwo im Indischen Ozean befindet – die Wenigsten wissen, wo genau. Man denkt an weiße Strände mit Palmen und kristall-klarem, türkies-blauem Wasser. Man denkt an prachtvolle Bauten und große Hotels, an gutes Wetter und Sonnenuntergänge, an eine tropische Pflanzen- und Tierwelt.

Genau das findet man auf Bali. Aber nicht nur. Bali ist nicht nur Glanz und Prunk, Bali ist auch dreckig und arm. Fernab von der Touristenregion findet sich das wahre Bali. Dort ist das Paradies nicht mehr so paradiesisch. Dort ist harte Arbeit und Armut die Realität.


Freiwilligenarbeit als Englischlehrerin

Es begann mit einem Lächeln und endete in Tränen. Wie paradiesisch ist eigentlich das Paradies? Bali. Wer an Bali denkt, denkt an eine paradies-ähnliche Trauminsel, die sich irgendwo im Indischen Ozean befindet – die Wenigsten wissen, wo genau. Man denkt an weiße Strände mit Palmen und an kristallklares, türkisblaues Wasser. Man denkt an prachtvolle Bauten und große Hotels, an gutes Wetter und Sonnenuntergänge, an eine tropische Pflanzen- und Tierwelt. 

Genau das findet man auf Bali. Aber nicht nur. Bali ist nicht nur Glanz und Prunk, Bali ist auch dreckig und arm. Fernab von der Touristenregion findet sich das wahre Bali. Dort ist das Paradies nicht mehr so paradiesisch. Dort ist harte Arbeit und Armut die Realität. Die Realität, die man nur sieht, wenn man sie sucht. Und wer sie nicht sucht, wird diese Seite Balis nicht kennenlernen.

Doch glücklicherweise hatte ich die Möglichkeit, die Realität zu suchen und kennenzulernen.

Als Freiwillige war ich acht Wochen auf der Insel und habe in einem Projekt mitgewirkt, bei dem ich in verschiedenen Schulen Englisch unterrichtet habe – eine Aufgabe, die nicht zu unterschätzen ist. Es war eine Herausforderung, jeden Tag aufs Neue.


Denn wie bringe ich jemanden eine Sprache bei, von der er kein Wort spricht, ich aber auch kein Wort seiner Sprache spreche? Mit Hand und Fuß, Gestik und Mimik, Dolmetscherei der einheimischen Englischlehrer und einem sehr guten Disney-Wörterbuch, hat es doch irgendwie funktioniert.  

Und die Kinder haben gelernt. Mit viel Fleiß und Ehrgeiz, dankbar für die geschenkte Aufmerk-samkeit haben die Kinder gepaukt. Ohne zu murren wurden Vokabeln abgeschrieben und Sprechübungen gemacht. Dinge, die sie zu Beginn meiner Zeit noch überfordert haben, haben sie am Ende unterfordert. Man kann wirklich sagen, dass sie an ihren Aufgaben gewachsen sind, was ich mit Stolz beobachten konnte. Die Arbeit mit den Kindern, die diesen „strengen Unterricht“ gar nicht kannten, hat mich sehr erfüllt und mir sehr viel Freude bereitet. Das Leuchten und das Strahlen in den Augen der Kleinen, wenn sie ein Erfolgserlebnis hatten (was jedes Kind wirklich sehr oft hatte), die Dankbarkeit und die Liebe, die sie mir entgegengebracht haben, haben mich jeden Tag aufs Neue mit Glück erfüllt und mir gezeigt, dass Bildung auf Bali keineswegs eine Selbstverständlichkeit ist. Bildung hat dort nicht den gleichen Stellenwert wie hier in2Europa. Eine gesetzlich bestimmte Schulpflicht gibt es dort nicht. Die Lehrer zeigen oftmals wenig Engagement – was bei deren monatlichen Gehalt auch nicht verwunderlich ist. Außerdem sind die Schulen, wenn überhaupt, nur schlecht räumlich und materiell ausgestattet. In den Familien hat Bildung auch keinen so hohen Stellenwert, da geht es zumeist mehr darum, den Lebensunterhalt zu verdienen. Dennoch wissen die Balinesen, dass der Tourismus ihre große Chance ist Geld zu verdienen. Die Chance eines jeden einzelnen, denn mit den Touristen kommt Geld nach Bali. Und das wissen die Balinesen, weshalb sie sehr gewillt sind, Englisch zu lernen. Denn Englisch zu sprechen ist der Schlüssel zum Erfolg.

Während ich unter der Woche unterrichtet und das Leben der Einheimischen kennengelernt habe, habe ich dann am Wochenende die Insel erkundet. Mein Roller, der unerwarteter Weise zu meinem besten Freund wurde, hat mich überall hin gebracht. Ich sah die Orte, an denen sich die Touristen aufhielten. Ich sah den Glanz und Prunk, beeindruckende Tempel mit schön angelegten Tempelanlagen, ich sah traumhaft schöne Sonnenauf- und Untergänge, die wunderschöne tropische Blumenpracht und fremde Tiere. Am Wochenende sah ich das Paradies und unter der Woche die Realität.3Aber Bali ist mehr als das. Das traumhafteste an dieser Insel sind die Menschen. Die Menschen, die dort leben und arbeiten. Die Bewohner der Insel, die Balinesen – sie machen diese Insel zu einem magischen Ort, zu einem Ort der Geborgenheit, zu einem Ort, an dem man sich zu Hause fühlen kann.  

Die Balinesen sind ein sehr gastfreundliches Völkchen, jeder ist bei ihnen herzlich willkommen. Mit einem Lächeln im Gesicht, wird jeder der will in Empfang genommen. Es ist nicht schwer, von den Balinesen ins Herz geschlossen zu werden, dafür bedarf es nicht viel. Nicht mehr als ein Lächeln. Wer gerne lächelt und lacht, ist auf Bali gut aufgehoben, denn die Insel macht ihrer Bezeichnung als „Die Insel des Lächelns“ alle Ehre. Die Menschen dort sind von Grund auf fröhlicher Natur, Traurigkeit kommt nur selten zum Vorschein. Auch wenn die Menschen dort in sehr einfachen Verhältnissen leben, die für uns Europäer anfangs sicherlich befremdlich sind, sind die Balinesen glücklich und zufrieden. Sie sind froh und dankbar für das, was sie haben. Dennoch haben auch die Balinesen Probleme, die sie bedrücken. Nicht selten ist dies mangelndes Geld. Auch wenn diese Probleme sicherlich sehr belastend sein mögen, transportieren die Balinesen das nicht nach außen. Die Lebensfreude ist unerschütterlich - Trübsalblasen ist keine Alternative.Eine wichtige Rolle im Leben der Balinesen spielt ihre Religion. Die meisten Balinesen sind Hindus. Ihr ganzer Alltag ist geprägt vom Ausüben dieser Religion. Der Glaube gibt den Menschen Kraft und Halt. Mehrmals am Tag wird gebetet und Opfergaben werden den Göttern gewidmet. Alle paar Tage werden riesige Zeremonien abgehalten, die stundenlang dauern können. Durch die bunten, festlichen Gewänder kommt die Lebensfreude der Balinesen nochmal besonders gut zum Vorschein.

Obwohl ich noch nie Kontakt zu dieser Religion hatte, wurde ich mit offenen Armen bei jeder Zeremonie empfangen, mir wurden traditionelle Gewänder geliehen und ich konnte am eigenen Leibe die Kraft dieses Glaubens erfahren.

Für mich hat der Hinduismus etwas Magisches, etwas Verheißungsvolles und ich habe jedes Mal, als ich jemanden beim Beten zugeschaut habe, ein merkwürdiges Gefühl von Ruhe empfunden.


Die Balinesen sind bekannt für ihre Gelassenheit, für ihre Spontanität und die Fähigkeit, die Dinge einfach auf sich zukommen zu lassen. Damit musste ich, als planungsfröhliche Deutsche, erst einmal zurechtkommen. Aber sowie dieses geschehen ist, konnte ich meine Zeit bedingungslos genießen. Der Kontakt mit diesen wunderbaren Menschen hat mich sehr geprägt. Ich habe viel über mein Leben in Deutschland nachgedacht und festgestellt, dass wir es uns hier oft unnötig schwer machen. Vielen Balinesen mag eine ausreichende Bildung fehlen, aber eins haben sie uns Deutschen definitiv voraus: Sie wissen wie man lebt. 

Meine Zeit auf Bali war definitiv die Beste meines Lebens und ich möchte sie keinesfalls missen. Wir können viel von den Balinesen lernen, genau wie sie viel von uns lernen können.

Es gibt nichts Großartigeres als diese fremde Kultur zu erforschen, allerdings muss man dazu auch bereit sein, sollte man sich dazu entschließen auf solch eine Art und Weise nach Bali zu kommen.


Ich bin glücklich, diese Erfahrung gemacht haben zu können. Die Menschen sind mir so ans Herz gewachsen und der Abschied fiel mir unglaublich schwer. Und die Tränen sind nicht nur bei mir geflossen. Sondern auch bei meiner Balinesischen Familie, die ich nie vergessen werde. Wenn ich an meine Zeit dort zurück denke, werde ich mit einem solchen Glück erfüllt und ich hoffe, irgendwann etwas zurückgeben zu können, für das was ich dort bekommen habe und lernen durfte. Bali mag kein reines Paradies sein, aber Bali ist mein Paradies.