Freiwilligenarbeit im Waisenhaus in Jimbaran


"Ich bin dankbar dafür, dass ich 10 Wochen lang Teil dieser wundervollen Familien sein konnte. Es waren mit Sicherheit die spannendsten, lernreichsten, erfahrungsreichsten und besten Wochen die ich bisher hatte"


Ich kam gemeinsam mit einer Freundin am Flughafen Denpasar auf Bali an. Nach einer kurzen Fahrt in unser Studentenhaus mit unserem Fahrer Made, folgte ein spannendes Wochenende und das „Kennenlernen“ der Insel. Auch das Roller-Training stand auf unserer To-Do-Liste - es ist gar nicht so leicht, sich dem Fahrstil und den Verkehrsregeln der Indonesier, anzupassen ;) Am Montag, 5. August, ging es mit unserem Coach, Laura Korwa, von der Organisation zu unserem Waisenhaus und alle nötigen organisatorischen Dinge wurden besprochen. Es leben dort 8 Kinder, 1 Waisenhausmutter und 2 Helferinnen. Nach dem ersten Tag des Kennenlernens im Waisenhaus, folgten die 10 spannendsten, aufregendsten, erlebnisreichsten und lehrreichsten Wochen in meinem Leben.

Unsere Arbeitswoche ging immer von montags-freitags, wobei die Dienstzeiten immer wechselten. Entweder von 07:30-14:00 Uhr oder von 14:45 -19:30 Uhr, und eventuell zwischen den Zeiten, die Kinder von den Schulen abholen, wenn die Waisenhausmutter selbst keine Möglichkeit dazu hatte.


MONTAG vormittags: mit den jüngeren Kindern in die Kirche fahren, die Älteren von den Schulen abholen, beim Mittagessen helfen, Hausaufgaben mit den Kindern machen,…

MONTAG nachmittags: die Kinder sinnvoll beschäftigen (spielen, basteln, vorlesen…) um Baby Anne aufpassen, Wäsche machen, beim Abendessen helfen und die Kinder baden.

DIENSTAG vormittags: Wäsche machen, aufräumen, Kinder in die Schulen und in den Kindergarten bringen und danach wieder abholen, um Marvel und Baby Anne kümmern (sie sind noch zu hause)

DIENSTAG nachmittags: Bastelstunde, beim Abendessen helfen, spielen, die Kinder baden, ins Bett bringen

MITTWOCH vormittags: hier steht, so wie auch am Dienstag, nichts Bestimmtes auf den Plan. Wäsche machen, aufräumen und mit den Kindern spielen, sind natürlich auch Aufgaben des Vormittages, jedoch keine „Fixtermine“. Man macht an den Vormittagen halt das, was ansteht und lebt somit, wie ein Teil der Familie mit. Dasselbe gilt für alle Vormittagsdienste, bis auf den Montag – da an diesem Tag der Gottesdienst stattfindet.

MITTWOCH nachmittags: Jungs ins Fußballtraining fahren und wieder abholen, „German class“ – in der man den Kindern, die wichtigsten Wörter aus der deutschen Sprache lernt. Abendessen zubereiten, Kinder baden,…

DONNERSTAG nachmittags: Beachday – Kinder für den Strand fertig machen, essen mitnehmen, danach (meistens: 19:00) Wäsche machen, aufräumen, Kinder baden und für das Schlafen gehen fertig machen, Hausaufgaben mit den Ältesten kontrollieren. (An diesem Tag kommen wir, aufgrund des Beachdays, öfters später heim)

FREITAG nachmittags: Jungs ins Fußballtraining fahren und wieder abholen, „German class“ (immer 1 Stunde), beim Essen vorbereiten helfen, eventuelle Vorbereitungen für das Wochenende mit der Waisenhausmutter gemeinsam erledigen, Kinder baden, Wäsche erledigen, Kinder ins Bett bringen

Leider habe ich hier auch die Schattenseiten des Landes kennenlernen müssen- die Armut. Die Waisenhausmutter ist an Spenden angewiesen und oft reicht das Geld nicht aus, um die Runden zu kommen. Daher werden den Kindern oft die „vollen“ Windeln mehrmals angezogen. Überhaupt wird hier auf die Hygiene viel weniger geachtet wie in Österreich und auch einige Erziehungsmethoden hier sind fragwürdig und haben mich zum Öfteren sehr schockiert.

Aber das wichtigste ist meiner Meinung nach der Emotionale Faktor und hier fehlt es den Kindern an nichts. Die Waisenhausmutter widmet ihre ganze Liebe den Kindern. Sie „opfern“ eigentlich auch ihr eigenes Leben, weil die Arbeit, die sie im Waisenhaus vollbringt ein Fulltime Job ist- und ich sie dafür sehr bewundere. Die Waisenhausmutter ist eine sehr religiöse Frau und der Glaube hilft ihr Kraft und Energie zu schöpfen. Daher wird vor jeder Mahlzeit gebetet sowie auch vor jedem Roller fahren.

Ich bin dankbar dafür, dass ich 10 Wochen lang Teil dieser wundervollen Familien sein konnte. Es waren mit Sicherheit die spannendsten, lernreichsten, erfahrungsreichsten und besten Wochen die ich bisher hatte.


Außerdem bin ich auch stolz auf mich, dass ich mich dazu entschieden habe, meine ganze Kraft, Energie, Zeit und Liebe dieser wunderbaren Familie zu widmen. Diese tolle Zeit hier werde ich nie vergessen und die Familie fehlt mir jetzt schon.


Während meines Aufenthalts hier hat mich eine Geschichte bzw. ein einziger Satz die ganze Zeit begleitet und dieser wird mir auch für immer im Gedächtnis bleiben.

Yayasan Hati Mama bedeutet frei übersetzt “Die Grundlage ist das Herz der Mutter”. Der Name basiert auf folgender Geschichte:

Die Lehrerin Debbie Moon und ihre Erstklässler diskutieren über ein Bild, das eine Familie zeigt. Ein kleiner Junge auf dem Bild hat eine andere Haarfarbe als der Rest der Familie. Ein Kind in der Klasse überlegt, dass das Kind adoptiert sein könnte. Darauf antwortet ein Mädchen der Klasse: “Ich weiß alles über Adoption, weil ich adoptiert wurde." “Was bedeutet 'adoptiert sein'?” fragt ein anderes Kind. “Es bedeutet,” sagt das Mädchen, “dass du im Herzen deiner Mutter aufwächst und nicht in ihrem Bauch.”