Unbezahltes Praktikum - Was nun?

Der Praktikumsvorschlag von einem Unternehmen auf Bali war da und die Freude riesig. Nachdem Praktikantin Jana jedoch die Info bekam, dass es ein unbezahltes Praktikum ist, kam sie ins Zweifeln. Warum sie sich nun doch dafür entschieden hat und welche Tipps sie für alle Zweifler hat, hat sie für uns im Blog wiedergegeben. 


Vor mehreren Monaten bin ich zufällig drauf gestoßen: ein Praktikum in einem Marketingunternehmen in Bali! Ich studiere nun seit letztem Jahr Wirtschaftswissenschaften in Wuppertal und habe mal so richtig Lust für paar Monate aus der verregneten Stadt rauszukommen, mal wieder was Praktisches machen, meinen Lebenslauf aufwerten, mein Englisch verbessern, andere Menschen und Kulturen kennenlernen, Strand, Sonne, Meer, Surfen lernen… Ich wollte schon immer mal dahin – klar, wer nicht ;)

Allerdings habe ich mir so ziemlich sehr den Kopf darüber zerbrochen, ob es wirklich eine gute Entscheidung ist, denn: das Praktikum ist unbezahlt! So wie eigentlich die meisten, auf die ich gestoßen bin. So ein bisschen ungerecht finde ich es schon, für die ganze Arbeit, die ich dort leiste für drei Monate. Auf der anderen Seite, weiß ich auch von meinen anderen Freunden, dass Auslandspraktika richtige Karrieresprungbretter sind – vorausgesetzt, sie sind gut geplant.

Je intensiver die Praktikumserfahrung, desto höher stehen die Chancen nach dem Studium mit viel praktischer Erfahrung direkt hoch einzusteigen! Ein Praktikum im Ausland ist natürlich das i-Tüpfelchen. Meine Freundin hat so zum Beispiel nach dem Studium ein unbezahltes Praktikum in Neuseeland gemacht und bekam direkt ein Angebot zur Einstellung. Außerdem weiß ich, dass das Praktikum meinen noch etwas kargen Lebenslauf zum Glänzen bringt. Also reizt mich das Ganze schon sehr!

Ich habe mich natürlich gefragt, warum sind überhaupt so viele Praktika unbezahlt und wie sollte ich das ganze denn organisieren mit meinem knappen Budget. Immerhin bin ich Studentin!

Warum sind Praktika unbezahlt:

  • Da ich erst im zweiten Semester bin und keine praktische Erfahrung vorweisen kann, ist es für die Firma Aufwand, mich in die Arbeitsprozesse einzuarbeiten. Es dauert einfach, bis ich relativ selbstständig arbeiten und letztendlich auch produktiv sein kann.
  • Die Visumsbestimmungen in einigen Ländern, wie hier in Indonesien, verbieten jegliche Bezahlung mit einem Praktikumsvisum. Ein Arbeitsvisum ist mit sehr viel organisatorischem Aufwand verbunden und die Kosten für mich unbezahlbar.

Wie finanziere ich jetzt das Auslandspraktikum:

Klar gibt es da viele Tipps, aber hier meine Top 3:

Erasmus+ Förderprogramm

Dies ist ein EU-Förderprogramm für Studienaufenthalte und Praktika im Ausland. Findet das Praktikum in der EU statt, stehen die Chancen generell besser, sich dafür zu bewerben, da dieses Teil des Programmes sind. Indonesien gehört zum Beispiel nicht zu den Programm-, aber zu den Partnerländern. Das heißt, dass es ein paar mehr Bedingungen gibt, um mich für das Erasmus+ Programm zu bewerben.

Das sind die Voraussetzungen für Studenten:

  • Praktikumsdauer: 2-12 Monate
  • Vollzeitpraktikum (30 Arbeitsstunden/Woche)
  • Eingeschriebener Student an einer Hochschule
  • Praktikum muss studienrelevant sein!

Hier kann es bis zu 650 Euro pro Monat geben und man könnte es sogar noch mit Auslands-BAföG und einem Deutschlandstipendium kombinieren.

Fundraising

Es gibt einige Websites, bei denen man sein Auslandspraktikum eine Fundraising-Kampagne starten kann. Allerdings sollte sich die Reise schon etwas von anderen Reisen absetzen, um auch das Interesse von Fremden zu wecken und deren Unterstützung zu bekommen. Aber es ist generell eine schöne Variante, das Vorhaben anschaulich zu gestalten und so seinen Freunden und Familien vorzustellen.

Eine günstige Unterkunftsmöglichkeit finden:

  • Housesitting (auf ein Haus aufpassen und evtl. Tiere mitversorgen)
  • Im Hostel für ein paar Stunden arbeiten (meist Putzarbeiten) und dafür kostenlos übernachten
  • Freunde von Freunde fragen, ob jemand zu dieser Zeit dort wohnt (u.a. auch Facebook-Freunde durchsuchen und gezielt anschreiben)
  • Couchsurfing ist vor allem gut für den Anfang (meist aber nur für ein paar Tage, doch vielleicht hast du auch Glück und darfst für eine längere Zeit dort bleiben)
  • Airbnb (jemand vermietet sein Apartment oder nur einen Teil davon)

Für Couchsurfing muss man aber der richtige Typ sein. Da ich das erste Mal allein als Frau im Ausland war, kam das für mich nicht in Frage. Daher habe mich für Airbnb entschieden und gerade auf Bali kann man da tolle, günstige Unterkünfte finden, die auch noch von einer netten balinesischen Familie betreut werden.

Mein Fazit

Also den ersten Schock, dass das Praktikum unbezahlt war, hab ich schnell überwunden. Einen kleinen Zuschuss habe ich tatsächlich vom Erasmus+ Programm bekommen, da mein Praktikumsbereich wirklich perfekt zum Studium passt. Außerdem habe ich mich für ein Praktikum für eine Dauer von 4 Monaten entschieden. So konnte ich die Ausgaben vorher realistisch planen und befinde mich noch in der grünen Zone. Meine Empfehlung ist also auch die Praktikumsdauer vorher genau zu überlegen und zu begrenzen. Ich hoffe, das nimmt Einigen die negative Einstellung zu einem unbezahlten Praktikum. Denn am Ende macht ja doch alles Sinn; für mich zumindest ;)