Mein Abenteuer Kapstadt


„Howzit“(=how is it?), mein Name ist Dennis, ich bin 19 Jahre alt und habe von Dezember bis Juni in Kapstadt gelebt. StudentsGoAbroad hat mir dabei geholfen. Angekommen bin ich kurz vor Weihnachten mit dem Plan ein dreimonatiges Praktikum in einer Filmproduktionsfirma zu machen und danach „irgendwas mit Tieren“. Vermittelt wurde mir ein Praktikum in einer Filmproduktionsforma in Muizenberg, einem kleinen Vorort südlich von Kapstadt, vierzig Minuten Zugfahrt vom Zentrum entfernt und direkt am Meer.

Mein neues Zuhause

Während der ersten Wochen meines Praktikums es gab es noch wenig zu tun weil in Südafrika im Dezember häufig Ferien genommen werden. Ich habe anfangs also die meiste meiner Zeit Zuhause verbracht. „Zuhause“ war ein kleines Backpacker Hostel. Ich zog damals mit der Absicht ins Hostel, um erste soziale Kontakte knüpfen zu können. Eigentlich wollte ich dann nach etwa drei Wochen ein Zimmer in einer WG suchen. Aus den drei Wochen wurden wunderbare drei Monate, ich freundete mich mit vielen Bewohnern direkt an und fühlte mich sehr wohl dort. Wenn man in Muizenberg lebt kommt man eigentlich nicht am Surfen vorbei so wurde mir der für mich neue Sport gezeigt und wenige Wochen später kaufte ich mir sogar mein eigenes Surfbrett. Im Dezember und Anfang Januar habe ich also die meiste Zeit im Wasser verbracht und weniger am Schreibtisch.

The perfect wave

Nach circa fünf Wochen lernte ich dann den Regisseur des Kinofimes „The Perfect Wave“ kennen, dieser nahm mich mit in ein Postproduktionsstudio nach Kapstadt und ich konnte den Profis bei der Arbeit zusehen. Der Film ist ein feature film der weltweit in Kinos ausgestrahlt werden wird und als Hauptdarsteller mit Scott Eastwood (Sohn von Clint Eastwood) gar nicht so klein ist. Im Februar kamen dann zwei Aufträge für die Firma. Ein Werbespot für Nestle und ein weiterer für TiffanyBreak. Zwei Wochen lang bereiteten wir die drei shoot-Tage für den Nestlespot vor. Ich kämpfte mich circa 10 Tage durch Excel, Word und Power Point. Meine Hauptaufgabe war es Kostentabellen zu vervollständigen, Texte zu übertragen oder Karten zu kreieren, also generell nicht das woran ich interessiert bin. Ich bin kein Mensch der acht Stunden am Tag am Computer sitzen kann. Ich wollte auf das Filmset. Und das kam dann auch, nach den zwei Wochen Tortur filmten wir in einem großen Haus in Noordhoek den Werbespot. Mit bestimmt 50 Menschen am Set, Catering für Alle, viel Wartezeit und insgesamt 40 unbezahlten Arbeitsstunden innerhalb von drei Tagen, brachte ich den shoot hinter mich. Endlich hatte ich genau das gesehen wofür ich nach Südafrika gekommen bin. Der zweite shoot für TiffanyBreak war nur an einem Tag aber genauso interessant. Ich habe viel gesehen und war Teil des Filmsets.

Praktikum, Klappe die 2.te

Auf dem Nestle Filmset lernte ich einen relativ jungen Filmproduzenten kennen der mit drei Freunden erst kürzlich eine eigene Produktionsfirma gegründet hatte. Wir tauschten Mail Adressen aus mit dem Hintergedanken dass ich für sie arbeiten könnte nachdem mein Vertrag bei meinem ersten Praktikum ausläuft. Ein paar Wochen später, nahm ich Kontakt zu der jungen Firma auf. Ich fragte nach einem Praktikumsplatz und eventuell einer kleinen finanziellen Unterstützung. Eine Woche später war ich zu einer Art lockeren Bewerbungsgespräch eingeladen und ein paar mehr Wochen später durfte ich für sie arbeiten, inklusive kleinem Taschengeld.

Mein Vertrag bei meinem ersten Praktikum endete planmäßig also Anfang März; ich fing aber erst im April bei dem neuen Unternehmen an. In der Zwischenzeit war meine Freundin zu Besuch und ich nahm mir drei Wochen Auszeit vom Arbeiten. Wir machten Urlaub an Kapstadts wunderschönen Stränden, bereisten die Garden Route und genossen generell die ganze Atmosphäre der „mother city“.

Nach meinem „Urlaub“ fing ich im April wieder an zu arbeiten. Das Unternehmen ist mitten in Kapstadt gelegen, 10 Minuten vom Hauptbahnhof entfernt. Ich musste also umziehen weil ich nicht jeden Morgen 40 Minuten aus Muizenberg anreisen konnte. Meine Freundin beschloss spontan ihren Aufenthalt in Kapstadt von drei Wochen auf zwei Monate zu verlängern und fing im Mai an für ein Krankenhaus freiwillig zu arbeiten. Innerhalb von zwei Tagen fand ich einen Raum in Observatory in dem wir zu zweit leben konnten. Nach einer kurzen Besichtigung hatten wir den Raum und konnten den ganzen April dort leben.  

Mein Monat bei der 2.ten Praktikumsfirma war interessant weil die vier Jungs die fast frisch von der film school kommen mir das Filmbusiness gut erklären konnten. Einen Werbespot zu drehen war mal etwas ganz Anderes. Sie brauchen keine fünf Lichttechniker, sie machen selbst das Licht, sie brauchen auch keine drei Leute die an der 20000$ Kamera operieren, sie benutzen ihre eigene Spiegelreflexkamera, sie brauchen auch keine teuren Cutter die ihnen den Werbespot auf 30 Sekunden kürzen, das können sie auch selber. Wenn sie einen Werbespot drehen ist das Geld was sie dafür brauchen noch nicht mal ein Zehntel von dem was andere Fimproduktionsfirmen benötigen. Dieser Unterschied hat mir den Wandel der Filmbranche aufgezeigt. Junge, günstigere Firmen mit Alleskönnern werden in Zukunft eher von größeren Firmen ausgewählt weil diese mit viel weniger Budget ein gleiches Resultat erzielen können.

Das Highlight meines Monats war der Musikvideo Dreh von dem Song „We Move On“. Innerhalb eines Tages haben wir die weißen Wände des Studios komplett versaut...

In 20 Tagen durch das "echte" Afrika             

Anfang Mai war mein zweites Praktikum dann auch vorbei, Yvonne flog zurück in die Heimat und ich trat eine Abenteuerreise als Übersetzer an. Innerhalb von 20 Tagen konnte ich komplett kostenlos von Kapstadt nach Victoria Falls reisen. Meine Aufgabe war es alles Englische vom Tourguide ins Deutsche zu übersetzen und ab und zu bei Kleinigkeiten wie Zeltaufbau oder Küchenarbeit zu helfen. Die Reise war mir möglich weil StudentsGoAbroad mit der Reiseagentur kooperiert und diese ständig junge Menschen als Übersetzer und Tourbegleiter suchen, Vorerfahrung in dem Bereich sind nicht nötig.

Ich wollte gerne aus dem sehr europäischen Kapstadt raus und noch einmal Afrika sehen bevor ich Anfang Juni wieder in Deutschland ankomme. Und das tat ich, wir reisten nach Namibia, sahen die unglaublich weitflächige Wüste, wir reisten nach Botswana und sahen wilde Tiere in Nationalparks und beendeten die Tour schließlich mit den gewaltigen Viktoria Fällen in Zimbabwe.

Die bisher größte Erfahrung meines Lebens!

Zusammenfassend kann ich sagen dass meine sechs Monate in Kapstadt/Afrika wohl die bisher größte und wichtigste Erfahrung meines Lebens waren und ich als veränderter Mensch zurück nach Deutschland gekommen bin. Ich habe Menschen aus verschiedensten Ländern dieser Welt kennengelernt, mit Menschen aus verschiedensten sozialen Schichten gesprochen und ich habe viel dazu gelernt wie ich mein eigenes Leben gestalten möchte.

Ich kam nach Kapstadt mit dem Ziel Erfahrung in der Filmbranche zu sammeln und wollte mir letztendlich sicher sein dass es der richtige Studiengang für mich ist. Ich habe sowohl viel Erfahrung in der Branche als auch bei anderen alltäglichen Dingen gesammelt und bin mir defintiv sicher dass ich auf Filmsets arbeiten möchte.