Ein halbes Jahr in Kapstadt


Ein halbes Jahr in Kapstadt. Ich möchte an der Filmhochschule studieren. Um die nötige Erfahrungen sammeln zu können habe ich mich für ein Filmpraktikum in Kapstadt entschieden. Ende August ging es los.

Die ersten Tage in Kapstadt

Die ersten Tage habe ich einen Freund in Stellenbosch besucht. Dann begann mein Praktikum in Muizenberg, dem Surferstrand von Kapstadt. Ich kam während einer großen Werbefilmproduktion für einen Mobilfunkanbieter und erlebte direkt zwei lange anstrengende aber sehr schöne Drehtage am Strand, im Schwimmbad und auf einer Motor-Yacht. Ich habe mich dem Grip-Department angeschlossen und unendlich viel Zeug durch die Gegend geschleppt. 

Meine Unterkunft in Muizenberg war ein kleines Backpacker etwa 500 m vom Büro und 100 m vom Strand entfernt. Ich habe dort viele Leute getroffen. Die meisten kommen zum surfen. Es ist auch einfach eine der besten Sportarten der Welt. Ich habe mir direkt einen Wetsuit und später auch ein Board gekauft.

Ich als Cast-Koordinator

Die nächste Produktion war etwas kleiner. Eine Werbung für ein Nestlé Produkt für Nigeria. Wir haben in drei Tagen etwa 400 Leute gecastet. Am Ende haben wir davon ca. 12 gebraucht. Dazu kamen noch dutzende Komparsen. Ich war Cast-Koordinator, also zuständig für die Organisation von Cast und Komparsen. Wir haben in einer Küche und in einer Schule gedreht. Es waren wieder zwei lange Drehtage. Dieses mal hatte ich mehr Verantwortung. Ich bekam ein Funkgerät in die Hand gedrückt und sorgte dafür, dass die Schauspieler zur rechten Zeit am rechten Ort waren. Das war nicht immer leicht, weil es größtenteils Kinder waren.

Surf, Surf, Surf

In der folgenden Zeit kamen wenige Aufträge. Meine Familie besuchte mich für zwei Wochen und wir fuhren die Garden Route ab. Zurück im Büro ging ich fast jeden Tag surfen. Unzählige Surboards stehen im Büro und wenn die Wellen gut sind trifft man den Regisseur Bruce mit höherer Wahrscheinlichkeit im Wasser an als im Büro. Letztes Jahr hat er sogar einen Surf-Kinofilm gedreht, der jetzt im Frühjahr auch in deutsche Kinos kommt.

Ein eigener Kurzfilm

Dann traf ich einen Amerikaner in meinem Backpacker, der ein Skript für einen Kurzfilm schrieb. Wir suchten Schauspieler, Komparsen und Drehorte zusammen und verfilmten es in zwei Tagen. Bei der Produktion bekamen wir auch Unterstützung von der Firma besonders von "Murray Macdonald". Wir habe sogar einen Musiker gefunden mit dem ich zusammen die Filmmusik erstellt habe. 

Quer durch den Süden Afrikas

Im Dezember startete meine Tour zu den Victoriafällen. Wir fuhren durch Namibia und Botswana nach Simbabwe. Über 5000 Kilometer. Ich arbeitete als Übersetzter und Assistent und durfte dafür kostenlos mitreisen. Die Tage waren lang und anstrengend, aber auch super schön. Wir besuchten den Etosha-Nationalpark, den Chobe Nationalpark und flogen in das Okavango-Delta. Neben den Elefanten, Nashörnern, Giraffen und Hippos waren die Victoriafälle wohl am beeindruckendsten.

Zurück in Kapstadt

Zurück in Kapstadt habe konnte ich noch den Dreh eines anderen Werbefilms für ein Erfrischungsgetränk aus Norwegen mit erleben. Wir ließen hunderte Helium Ballons steigen.

Dann habe ich noch einige Wochen einfach nur gesurft. Nun bin ich zu Hause und will eigentlich nur zurück.

Während des Praktikum habe ich einen guten Einblick in das Filmgeschäft erhalten. Durch die kurzen Produktionszeiten von Werbefilmen konnte ich alles miterleben von Prä- bis Postproduktion. Am besten gefällt mir die Zeit am Set. Zudem habe ich gelernt wer welche Aufgaben hat und wie die Abläufe funktionieren.