Auslandspraktikum in Cardiff, England


Suche nach einem Praktikumsplatz:

Mein Auslandspraktikum habe ich an der Junior School in Penarth bei Cardiff absolviert. Nachdem ich meinen Bachelorabschluss an der Uni erfolgreich bestanden hatte, wollte ich gerne schulpraktische Erfahrungen im englischsprachigen Ausland sammeln, da ich in meinem zukünftigen Lehrberuf u.a. Englisch unterrichten möchte. Über die Organisation StudentsGoAbroad habe ich mir Hilfe bei der Organisation eines Praktikumsplatzes gesucht. Um die Suche nach einem Praktikumsplatz aktiv zu unterstützen, habe ich einen Lebenslauf und ein Bewerbungsschreiben verfasst, welches die Organisation an die potenziellen Praktikumsstellen weiterleiten konnte. Nachdem ich ein erfolgreiches Telefoninterview mit dem Schulleiter der Schule hatte, fiel es mir nicht schwer den mir angebotenen Praktikumsplatz anzunehmen.

Planung und Organisation des Aufenthaltes:

Nun war es Zeit den Aufenthalt zu planen. Im Internet (www.easyroommate.com) habe ich mich nach Unterkünften umgesehen und recht schnell ein freies Zimmer in einer WG gefunden, welches ich für mein Auslandssemester mieten konnte. Meine Mitbewohnerin stellte sich als sehr unkompliziert und freundlich heraus, was mir meinen Aufenthalt natürlich noch einmal erleichtert hat. Sie half mir dabei vor Ort eine Karte für mein Handy zu besorgen und beriet mich auch ansonsten, wenn ich Fragen hatte. Vor Ort habe ich mir ein 3-Monatsticket für die Bahn gekauft, mit dem ich jeden Tag zu meiner Praktikumsschule fahren konnte.

Praktikum:

Die Schule liegt ca. 5 Meilen von der walisischen Hauptstadt Cardiff entfernt und besteht aus der Junior und Senior School. Die Junior School umfasst den Kindergarten- und Vorschulbereich sowie die Klassen 1-5. Die Senior School entspricht der weiterführenden Schule. Hier können sowohl GCSE-Prüfungen als auch das IB (International Baccalaureate) abgelegt werden. Die vergleichsweise kleine Schule (rund 70 Schüler in der Junior School) ist national bekannt für ihr hohes Leistungsniveau und die durchweg exzellenten akademischen Ergebnisse ihrer Schüler.

Mein Praktikum hat schon vor Beginn des eigentlichen Terms begonnen. Daher habe ich bevor ich meiner eigentlichen Tätigkeit als Teaching Assistant nachgegangen bin im „Holiday Club“ der Schule ausgeholfen, was für den Anfang sehr schön war. Ich hatte die Möglichkeit, die Schüler in einer entspannten, freizeitlichen Umgebung kennenzulernen und mich langsam an das neue Umfeld zu gewöhnen. Nachdem das Term dann offiziell begonnen hatte, wurde mir ein eigener Stundenplan erstellt. Ich wurde in verschiedenen Klassenstufen der Schule eingesetzt. Ich habe also sowohl im Nursery-Bereich (was in Deutschland dem Kindergarten entspricht), als auch in den Klassenstufen Reception und Year 1-5 gearbeitet. Meine Aufgaben als Teaching Assistant bestanden laut Praktikumsvertrag darin, die Lehrkraft im Unterricht zu unterstützen, Kleingruppen zu betreuen und auch individuell einzelnen Schülern beim Lernen zu helfen. Im Laufe der Zeit, hat sich mein Aufgabenfeld allerdings etwas erweitert. Ich durfte immer mehr selbstständig mit den Schülern arbeiten und Teile von Unterrichtsstunden übernehmen. Ich half dabei Arbeitsblätter zu konzipieren und stand in regem Austausch mit den Lehrern über die anstehenden Unterrichtsreihen. Besonders im Fach Mathematik, in dem ich auch meine Bachelorabschlussarbeit geschrieben habe, hat mir eine Lehrerin sehr freie Hand gelassen und mich dazu ermutigt verschiedene didaktische Methoden im Anfangsunterricht ihrer Klasse anzuwenden. Neben den regulären Fächern durfte ich mir kleine Unterrichtseinheiten im Fach Deutsch überlegen und mit den Schülern durchführen. Deutsch gibt es in der Junior School derzeit nicht als eigenes Fach, daher war die Sprache für die Schüler komplett neu. Für mich war es sehr interessant zu sehen, mit welcher Neugier und Freude die Schüler auf meine kleinen Deutschstunden reagiert haben. Neben typischen kleinen Sätzen zur Begrüßung und Verabschiedung konnte ich den Schülern viele neue Wörter und Phrasen beibringen. In der Reception Class (die Klasse, die dem ersten Schuljahr vorgeschoben ist) bat mich die Lehrerin zum Unterrichtsthema Insekten und Natur eine Art deutsche Vokabelliste mit den Kindern zu erarbeiten, was mir besonders viel Spaß gemacht hat.

Neben den Unterrichtsaktivitäten, durfte ich außerdem an einem Schulausflug teilnehmen, während dem ich die Verantwortung für eine Klasse hatte als Vertretung für eine ausgefallene Lehrkraft. Am Ende des Terms bat mich die Lehrerin der Klasse mit der ich am meisten Zeit verbracht hatte sogar darum mit ihr gemeinsam über die Zeugnisse zu schauen. Sie fragte mich nach meiner Meinung und Einschätzung über die Leistungen und das Verhalten der Schüler während dem Term. Ich war begeistert, wie viel Wert auf meine Meinung gelegt wurde und habe mich sehr wohl und stets eingebunden gefühlt während meinem Praktikum.

Alltag und Freizeit:

Mein Alltag in Großbritannien war für mich ein ganz Neuer, da ich vorher noch nie in einer WG gelebt hatte. Ich fühlte mich jedoch von Anfang an sehr wohl in meinem neuen zu Hause. Ich habe mich mit meiner Mitbewohnerin sehr gut verstanden und immer mal wieder was mit ihr unternommen. Ich hatte auch die Möglichkeit ihre Freunde kennen zu lernen und mit der Gruppe gemeinsam über ein Wochenende weg zu fahren.

Da ich sehr kontaktfreudig bin habe ich mich während meiner Zeit in GB auf der Website www.citysocialising.com angemeldet, durch welche man in jeder Stadt neue Leute bei sogenannten Socials kennen lernen kann. Dadurch habe ich einige sehr liebe und grundverschiedene Menschen kennen gelernt, was meinen Aufenthalt noch einmal interessanter gemacht hat.

Allgemein bietet Cardiff zahlreiche Freizeitmöglichkeiten. Neben typischen Touristenattraktionen wie z.B. dem Cardiff Castle und diversen Museen, gibt es in Cardiff zahlreiche Shoppingmöglichkeiten und viele tolle, kleine Bars und Kneipen, in denen man nette Abende z.B. beim typisch britischen Pub-Quiz erleben kann. Wenn ich nicht gerade meine Freizeit in Cardiff verbracht habe, habe ich versucht das britische Bahnsystem bestmöglich zu nutzen und bin ein wenig herumgereist. Ich habe mir Städte wie Swansea, Oxford, Bath und Manchester angesehen und hatte die Möglichkeit Großbritannien in seiner Vielfalt zu erleben.

Fazit:

Mein Praktikum an der Westbourne School war für mich ein voller Erfolg. Ich habe die Möglichkeit gehabt viele verschiedene Lehrer und ihre Lehrstile zu beobachten und neue Methoden kennen zu lernen. Der Unterrichtsalltag in einer britischen Schule scheint sich gänzlich von dem hier in Deutschland zu unterscheiden, was ich sehr interessant fand. Das eigene Unterrichten war für mich zunächst eine Herausforderung, da es zum einen nach einem ganz anderen Curriculum und selbstverständlich auf einer anderen Sprache stattfand. Dennoch hat es mir Spaß gemacht und mich in meiner Entscheidung Lehrerin zu werden bestätigt. Neben didaktisch-methodischen Fähigkeiten, konnte ich mich auch sprachlich entwickeln während meiner Zeit in Cardiff. Ich bin um einiges flüssiger im Sprechen der Fremdsprache geworden und habe meinen Wortschatz vergrößern können. Alles in allem war mein Auslandsaufenthalt ein sehr positives Erlebnis, was ich so schnell nicht vergessen werde. Ich hoffe, dass ich später noch einmal die Möglichkeit erhalten werde im ausländischen Schuldienst zu arbeiten.