5 Monate Journalistik Praktikum in Kapstadt


Am 1. März mache ich mich von Frankfurt auf den Weg nach Kapstadt. So richtig hatte ich mein Vorhaben erst realisiert, als ich tatsächlich im Flieger saß. 12 Stunden und etwa 9000 Kilometer später – einmal über ganz Afrika hinweg - hatte ich schließlich Südafrikanischen Boden unter meinen Füßen. Binnen 20 Stunden vom fünf Grad kalten Deutschen Winter in den 25 Grad warmen Kapstädter Spätsommer – eine andere Welt, nicht nur wegen den Temperaturen...


Wohnen in Kapstadt

In Kapstadt wohnte ich mitten in der City - sieben Gehminuten von der berühmten Longstreet entfernt. Mit meiner Unterkunft (Zweier-WG) war ich vor allem wegen der Lage zufrieden. Direkt Gegenüber befindet sich eine Tankstelle mit einem kleinen Supermarkt, einer Bäckerei, einem Pizza– und Burger-Laden. Alles hat 24 Stunden geöffnet. Fünf Gehminuten von meiner Wohnung, war „Gardens Centre“, ein Einkaufszentrum mit Supermärkten, Klamottenläden, einem Friseur, Cafés, einer deutschen Metzgerei und vielem mehr. 

Arbeiten in der Mother City

Passend zu meinem Journalistik-Studium, das ich kurz vor meinem Trip nach Südafrika erfolgreich beendet hatte, absolvierte ich ein Praktikum in einem deutschen Magazin. In meinem Praktikum war ich hauptsächlich für die Internetseite des Magazins und für den Social-Media-Bereich verantwortlich. Auch Übersetzungen gehörten zu meinem täglichen Geschäft. Die Arbeit hat mir sehr viel Spaß gemacht, da ich bei der Themenwahl meist freie Wahl hatte.


Garden Route - eine „Must-Do“-Reise

Gleich in meiner zweiten Woche begab ich mich auf die Garden Route. Das ist eine Strecke entlang des Indischen Ozeans mit wunderschönen Landschaften und Stränden. Und ein „Must-Do“ für alle, die etwas länger in Kapstadt sind. Am Strand von Jeffreys Bay, mache ich meinen ersten Surfkurs. „Das kann ja nicht so schwierig sein“, dachte ich mir noch vor dem Kurs. In den folgenden zwei Stunden wurde ich allerdings vom Gegenteil überzeugt. Bereits nach den Trockenübungen an Land, hätte ich am liebsten auf meinem Handtuch am Strand gelegen. Aber dann ging es erst so richtig los. Ab ins Wasser und irgendwie auf dieses sch... Brett kommen. Am Schluss hat’s sogar einmal geklappt - aber glaubt mir, da gibt‘s einfachere Dinge.

Die Locals

Die Südafrikaner sind sehr nette Menschen. Auf jedes „Hello“, lassen sie ein „How are you?“ oder „Howzit?“, folgen. Es ist zwar nur eine Floskel, aber sie kommt sehr freundlich rüber. Die Leute hier sind immer gut drauf - die Mentalität ist eine andere als in Deutschland. Vielleicht liegt‘s am guten Wetter. Die meisten Kapstädter - ca. 2 Millionen - leben in den Townships. Unzufrieden sind sie aber mit ihren einfachen Behausungen nicht. Sie lieben ihr zu Hause - die Wertevorstellungen sind ganz andere als bei uns. Ein Township-Guide sagte mir: „Wenn man die Menschen in Townships den fragen würde, wie es ist, hier zu leben würden sie nicht verstehen, was man mit der Frage meint.“ 

Karneval in Kapstadt

Ja, auch in Kapstadt wird Karneval gefeiert - und wie. Immer im Januar und März gibt es einen rieseigen Umzug in Green Point. Hier sehe ich zum ersten Mal, mit welchem Enthusiasmus die Südafrikaner das Leben leben. Nahezu alle Gruppen, ob Jung oder Alt, hatten eine Tanz-Choreographie einstudiert. Mit Stolz und Freude tanzten die Jungs und Mädels den ganzen Abend durch die Straßen.

Wandern in Kapstadt

Wer für längere Zeit in Kapstadt ist und sich die Eigenschaft „sportlich“ anheftet, muss unbedingt die „Big three“ (Tafelberg, Lion’s Head und Devil’s Peak) erklommen haben, bevor er die „Mother City“ wieder verlässt. Warum man diese Wanderungen unbedingt machen muss, wird einem aller spätestens oben auf den Gipfeln klar. Ich habe alle drei Berge bestiegen - den Tafelberg sogar zweimal. Es ist wirklich ein Spitzengefühl von den Bergen auf Kapstadt zu schauen - auch wenn die Wanderungen einem doch viel abverlangen.

Auf Fußball musste ich nicht verzichten

Da ich ein leidenschaftlicher Fußballer bin, wollte ich auch in Kapstadt nicht auf das Kicken verzichten. Also schloss ich mich dem FC Camps Bay an. Schöner könnte ein Fußballplatz nicht liegen: Direkt unterm Tafelberg und einen Steinwurf vom Meer entfernt. Der Fußballverein in Camps Bay hat vier Aktiven-Mannschaften und zahlreiche Jugendteams. Die Spielstärke der 1. Mannschaft ist etwa mit der Landesliga in Deutschland vergleichbar. Die 2. Mannschaft könnte gut in einer Kreisliga A mithalten. Der Verein hat sehr professionelle Trainer und die Stimmung im Training ist immer gut.

Bettler

Wenn man auf den Straßen in Kapstadt läuft, muss man immer damit rechnen, von Bettlern angesprochen zu werden. Wenn man ihnen dann nichts gibt (man kann einfach nicht jedem Bettler etwas geben), laufen einige so lange einem hinterher bis man in einem lauteren Ton „No“ sagt. Dieses andauernde „anbetteln“ ging mir am Ende wirklich auf die Nerven, sodass ich es vorzog die kurze Strecke zu meiner Arbeit lieber mit dem Bus zurückzulegen. Ich hatte das Gefühl, dass mit den sinkenden Temperaturen auch die Anzahl der Bettler stieg.

Ist es gefährlich?

„Kapstadt ist auch nicht gefährlicher, als andere Städte in Deutschland.“ Diesen Satz habe ich häufig in einer Kapstadt-Facebook-Gruppe von selbsternannten „Kapstadt-Experten“ gelesen. Ich kann euch sagen, das ist leider nicht der Fall. Wer nach Kapstadt geht, muss damit rechnen, dass man in eine brenzlige Situation geraten kann. Man sollte also immer vorsichtig sein, wenn man alleine unterwegs ist. Besonders in der Dunkelheit ist ein Taxi oder Bus zu empfehlen, anstatt zu Fuß zu laufen. 

Gutes Wetter ist gleich gute Stimmung

Im März, April und auch noch teilweise im Mai, als das Wetter noch sommerlich warm, war Kapstadt eine andere Stadt als im Juni und Juli. Die Leute waren gut drauf, die Longstreet war an den Wochenenden richtig belebt und die Partys waren klasse. Mit sinkenden Temperaturen wurde Kapstadt zunehmend leerer, auch in Bars und Restaurants wurde es immer kälter, da die Häuser schlecht isoliert sind. Wer also ein Programm in Kapstadt macht, sollte es sich genau überlegen, ob er es in den Monaten Juni, Juli und August macht. Im Sommer/Spätsommer ist Kapstadt eine überragende Stadt, die so viel zu bieten hat: traumhafte Landschaften und Strände, nette Leute, klasse Wetter, Partyleben und volle Straßen. Im Winter ist die Landschaft zwar immer noch schön, aber alles andere ist im Sommer um Längen besser. Trotzdem waren die fünf Monate eine super Zeit, in der ich viel erlebt und gesehen habe. Ich werde bestimmt noch einmal nach Kapstadt reisen, aber dann garantiert im Sommer!