10 Wochen Volunteering im Kinderheim Kapstadt


Schon immer hat es mich interessiert, wie Menschen an anderen Orten der Welt zusammen leben und miteinander umgehen. Deswegen stand für mich fest, nach meinem 4. Uni-Semester ins Ausland zu gehen. Und wo sonst als am Kap der Guten Hoffnung können die eigenen Erwartungen so stark übertroffen werden? Also auf zur „Mother City“ Südafrikas – Kapstadt.

Nach einem langen und anstrengenden Flug, war meine Ankunft in Kapstadt sehr ernüchternd. Es war bewölkt und kalt. Dennoch war mein erster Eindruck von Observatory, meinem Unterkunftsort und dem Studentenviertel in Kapstadt schlechthin, sehr erfreulich. Besonders die Lower Main Road, mit all ihren Cafés, Bars und Geschäften spiegelte den südafrikanischen Charme in ihrer vollen Pracht wieder.

Zeit für eine Seightseeingtour blieb leider nicht, denn direkt am nächsten Tag begann mein Praktikum in dem muslimischen Kinderheim im Ortsteil Woodstock. Schon auf dem Weg dorthin wurde mir klar, dass meine Zeit in Kapstadt erlebnisreich und spannend werden würde, da alle südafrikanischen Einwohner offen und gesprächsfreudig waren. Im Kinderheim angekommen, fiel die Begrüßung durch die Volunteers- Beauftrage sehr herzlich aus. Nach einem Rundgang durch das Kinderheim, mit insgesamt 11 Räumen und einem immens großen Hof, begann für mich die Aufgabe, die Namen aller Mitarbeiter und Kindern auswendig zu lernen. Bei ungefähr 35 Kindern, davon 15 Jungs und 20 Mädchen, dessen Namen weitaus exotischer waren als die typischen Namen in Deutschland, und weiteren 13 Mitarbeitern war meine Aufnahmekapazität weitaus mehr als erschöpft.

In dieser Woche fielen dann unterschiedlichste Aufgaben an, die von administrativer bis hin zur hauswirtschaftlichen Arbeit reichten. Der Vormittag im Kinderheim wurde dazu genutzt, an Spenden-Akquise oder der Buchhaltung zu arbeiten, gegen Mittag, dem Zeitpunkt an dem die Kinder aus den Schulen zurück kamen, bestand die Aufgabe darin, als Betreuerin der Hausaufgaben oder als Spielkameradin für die jüngeren Kinder zur Verfügung zu stehen. Das Highlight der Woche lag jedoch in einem Shopping- Ausflug mit einer amerikanischen Sachspenderin, die zur Feier des Abschlusses des Fastenmonats Ramadan, ein kleines Fest für die Kinder veranstaltete.

Die zweite Woche war von der Struktur her genauso aufgebaut wie die Einführungswoche und behielt ihren Ablauf auch in den kommenden Wochen an. Dennoch änderten sich die Aufgaben. Von hoher Relevanz war es in der Non-Profit-Organisation (NGO) Pläne und Strukturen zu erarbeiten, an denen sich die Mitarbeiter orientieren konnten. Demnach lagen meine Aufgaben darin, Medikationstabellen, Kalkulationen über die gesamten Einnahmen und Ausgaben des Kinderheims zu erstellen und einen Überblick über die Geldspenden in Form einer Tabelle darzustellen. Selbstverständlich durfte neben den ganzen administrativen Aufgaben, das Spielen und Lernen mit den Kindern nicht vernachlässigt werden. Des Öfteren wurden kleine Tanz- und Gesangsprojekte als auch Gemeinschafts- und Gruppenspiele durchgeführt. Auch kreative Spielangebote wie beispielsweise Malen mit Kreide wurden von den Kindern herzlichst aufgenommen. Die Problem, das jedoch im Kinderheim zugrunde liegt, ist der Mangel an Spielutensilien. Trotz der hohen Anzahl an Kindern kam es sehr selten vor, auf dem Hof einen Ball oder sonstige Spielzeuge zu sehen, da diese in einem separaten Raum abgeschlossen wurden und nicht für alle Kinder zugänglich waren.

Die dritte Woche war geprägt durch die Erstellung von Kindersteckbriefen, die einen Überblick über die Größe, Hobbies, Lieblingsessen, Klassenstufe und anderen Persönlichkeitsmerkmale boten. Zudem standen Team-Meetings und persönliche Gespräche bei der zuständigen Polizei auf dem Tagesplan. Das Mittagsprogramm richtete sich grundsätzlich auf die Erstellung eines kreativen Bastelgeschenks.

In der vierten Woche lag der Fokus auf der Erstellung von Übungsstunden für die Kinder. Besonders im Vordergrund stand dabei die Erarbeitung eines Uhrenprojekts, welches durch die Erstellung eines Time Tables über den Tagesplan im Kinderheim abgeschlossen wurde. Außerdem wurden zusätzliche Lernaktivitäten angeboten, die sich mit dem Fach Englisch und Mathe beschäftigten. Auch die Bearbeitung von Arbeitsverträgen lag in dieser Woche in meinem Aufgabenbereich.

Die Aufgaben in der fünften Woche waren umfangreich. Besonders wichtig waren dabei die Erstellung der Essenspläne, für eine ausgewogene Ernährung der Kinder, als auch die Erstellung des wöchentlichen Lebensmittelverbrauchs. Aber auch Meetings mit zukünftigen Kooperationspartnern wie SistersforSisters und dem House of Home in dem drittgrößten Townships Südafrikas, Khayelitsha waren ziemlich interessant.

Halbzeit. Die ersten fünf Wochen des Praktikums im Kinderheim Al Noor sind vorbei und die Aufgaben, die ich bisher bewältigen musste, waren alle umfangreich und besonders informativ. Die sechste Woche war durch unterschiedlichste Tätigkeiten bestimmt. Zum einen wurde eine Lernecke für die Kinder erarbeitet, in der unterschiedlichste Aufgaben zu den Themen Mathe, Englisch, Life Skills aber auch normale Malvorlagen zur Verfügung gestellt wurden. Außerdem begann zur gleichen Zeit die Dokumentation über das Verhalten der Kinder für jeden Tag. Nebenbei wurden noch Foto-Collagen des Kinderheims erstellt und Team-Meetings zum Thema „Motivation der Kinder“ abgehalten.

Die siebte Woche stand unter dem Motto „Motivation“. Besonders hervorzuheben war dabei die Erstellung einer „Wall of Fame“, an der die am positiv auffallendsten Kinder innerhalb eines Monats geehrt werden sollten. Nebenbei wurde mit den Kindern ein Malprojekt durchgeführt, wobei diese die Eingangswand des Kinderheims mit Wandfarbe bemalen durften.

In der achten Woche fiel mein Aufgabenbereich auf die Erstellung von „Foundation Files“ für die Dokumentation der Stiftungen, die das Kinderheim finanziell unterstützen. Außerdem stand die Planung einer Abschiedsparty einer Volunteer- Mitarbeiterin im Vordergrund.

Die Aufgabe in der neunten und somit fast letzten Woche im Kinderheim lag darin, meine eigene Abschiedsparty vorzubereiten, mit kleinen Geschenken für die Kinder und der Planung von Abschlussspielen. Außerdem war es wichtig, jegliche Dokumente, die in meiner Arbeitszeit im Kinderheim erstellt wurden, für die nachkommenden Mitarbeiter vorzubereiten.

In der zehnten und somit letzten Woche meines Aufenthaltes in Kapstadt wurde dann mein Abschied gefeiert. Die Kinder erhielten ihre kleinen Geschenke und kosteten einen hausgemachten Nachtisch. Und somit endete mit einer kleinen Abschiedsrede der Volunteer- Beauftragten mein zehnwöchiges Praktikum. Jede Erfahrungen die ich während der Wochen im Kinderheim gemacht habe, haben mich geprägt und in meinen Ansichten ein wenig weiter gebracht.

Zudem ist noch zu erwähnen, dass Kapstadt unglaublich viele Attraktionen zu bieten hat. Da ist nicht nur der Tafelberg mit seinen unterschiedlichsten Wanderrouten, sondern einfach auch das Meer mit seinen wunderschönen und unterschiedlichsten Stränden. Aber auch die verschiedenen Bars und Clubs in Kapstadt sind sehenswert und spiegeln die afrikanische Mentalität in seiner vollen Pracht wieder. Die Menschen dort sind unglaublich freundlich und lassen sich durch nichts aus der Ruhe bringen. Sie strahlen alle eine vollkommene Gelassenheit aus und stecken damit die anderen Menschen an.

Zusätzlich ist noch das Essen zu erwähnen. Es gibt die verschiedensten Möglichkeiten, lecker und günstig essen zu gehen. Auch mit speziellen Besonderheiten wie äthiopischem Essen oder einem Biskuit Mill kann Kapstadt dienen. Natürlich sind einige Touren ein Muss, wenn man die südafrikanische Stadt an der Tafelbucht des Atlantischen Ozeanes besucht. Besonders wichtig dabei ist der Besuche am Kap der Guten Hoffnung, die Winetasting-Touren als auch die Touren durch die Townships.

Kapstadt bietet einfach alles, was das Herz begehrt. Von der Safari bis hin zum Shark Diving oder dem Feiern in einem Club in einem Township mit den Einheimischen. Wer eine Reise machen will, in der so viele Kulturen, Mentalitäten und Attraktionen auf einmal zusammen kommen, für den ist Kapstadt der perfekte Anlaufpunkt.