Unbezahltes Praktikum im Ausland – was nun?

Der Praktikumsvorschlag ist da und die Freude riesig. Nachdem viele Bewerber jedoch die Info bekommen haben, dass das Praktikum unbezahlt ist, kommen sie ins Zweifeln. Jedoch sind viele Praktikumsstellen im Ausland nicht bezahlt. Ist das denn überhaupt fair? Ja, denn ein Praktikum soll keinen Job darstellen, sondern ein Training in einem Arbeitsumfeld. Wir geben euch die Antworten auf die Big 5 Fragen zum Thema "unbezahltes Praktikum".

1. Warum sind die meisten Praktika unbezahlt?

Immer wieder facht die ethische Diskussion in den Medien auf: Sind unbezahlte Praktika das neue Mittel für Unternehmen, um günstig an gute Arbeitskräfte zu kommen? Die Frage lässt sich nicht eindeutig beantworten, denn man muss vorher abgrenzen, welche Art von Praktikanten angesprochen werden. Sind es Abiturienten, Studenten oder Azubis, die noch keine Qualifizierung haben oder sind es Studienabgänger mit deutlichen Qualifizierungen?

Die meisten unserer Bewerber sind gerade am Beginn ihrer sekundären Ausbildung und könnten sich noch nicht für eine volle Arbeitsstelle qualifizieren. Einen Mehrwert bringen sie dem Unternehmen erst nach einer gewissen Einarbeitungszeit, die sich bis zu mehreren Monaten hin ziehen kann. Das gleiche gilt natürlich auch für Auslandspraktika.

Die Unternehmen verstehen es aber, wie wichtig Praktika gerade in dieser Ausbildungsphase sind und geben dennoch die Möglichkeit, einen Einblick in das internationale Arbeitsleben zu bekommen. Sie bezahlen zwar nicht mit Geld, aber mit ihrem Einsatz:

  • Du erfährst eine professionelle Einarbeitung in Arbeitsprozesse (in dieser Zeit kann der Mitarbeiter seiner normalen Arbeit nicht nachgehen)
  • Du bekommst einen Ansprechpartner im Unternehmen
  • Sie vermitteln dir Fachwissen und geben dir Selbstständigkeit auf ihre Verantwortung.

2. Was ist der Unterschied zwischen Praktikum zum Job

Es ist wichtig zu erkennen, warum ein Praktikum kein Job ist und die Unternehmen daher auch die Berechtigung haben, es nicht zu vergüten.

  • Ein Praktikum ist ein Training in einem Arbeitsumfeld.
  • Du als Praktikant sollst am meisten davon profitieren.
  • Der Praktikant ersetzt keine Mitarbeiter.
  • Das Unternehmen erhält keinen direkten Mehrwert von deiner Arbeit. 

Ein unbezahltes Praktikum ist dann nicht fair, wenn es der Einstieg in die Arbeitswelt sein soll, du also einen vollwertigen Job übernimmst. Es soll dir auf dem Weg dahin einen Einblick in die Arbeitsprozesse geben, aber ist nicht dafür geschaffen, dich für eine normalerweise bezahlte Arbeitsstelle einzusetzen.

3. Warum lohnt es sich dennoch, seine Arbeitskraft einzusetzen?

Auch wenn vielen ein unbezahltes Auslandspraktikum auf den ersten Blick nicht fair erscheint, sprechen die Vorteile doch für sich:

  • Du erhältst wichtige Credits oder kannst es als Fachpraktikum im Studium anrechnen lassen
  • Du erlangst wertvolle Arbeits- und Auslandserfahrung
  • Du knüpfst Kontakte, die für deine Karierre entscheidend sein könnten
  • Es eröffnet dir mögliche Jobperspektiven
  • Du lernst den Arbeitsalltag in einem anderen Kulturkreis kennen
  • Du übst dich in einer neuen Fremdsprache
  • Du entwickelst dich persönlich weiter

Weitere Auslandspraktikum Vorteile

4. Wie kann ich es mir leisten, für umsonst zu arbeiten?

Nur privilegierte Studenten oder Azubis können sich es leisten, ein unbezahltes Praktikum anzunehmen. So lautet zumindest die Annahme vieler Interessenten. Allerdings würden nicht rund 75% aller Studierenden ein Praktikum während des Studiums* absolvieren, wenn es da nicht auch Möglichkeiten zur Förderung geben würde. Auch die Chance, eine Förderung für ein Auslandspraktikum zu bekommen, ist recht groß. Folgende Förderungsmöglichkeiten stehen dir zur Verfügung:

  • Auslands BAföG
  • DAAD
  • Stipendien
  • Bildungskredite
  • Förderung durch Crowdfunding

Quelle: Meike Fries, Zeit Online: Absolventen­-Studie: "Praktika sind wichtig, aber nicht alles” 26. Januar 2010, 17:35)

5. Was muss ich beachten, wenn ich ein unbezahltes Praktikum annehme?

Bevor du ein unbezahltes Praktikum annimmst, solltest du folgende Punkte beachten:

  • Nehme nie ein unbezahltes Praktikum auf unbegrenzte Zeit an!
  • Ist im Vornherein klar, dass das Praktikum unbezahlt ist, frage auch nicht vor Ort direkt deinen Arbeitgeber! Die Warteliste ist in einigen Ländern lang und du läufst Gefahr, dich damit selbst aus dem Rennen zu nehmen
  • Entwerfe mit dem Unternehmen zusammen einen Aufgaben-/Traningsplan
  • Lege das Ziel des Praktikums für dich fest und kommuniziere es mit dem Arbeitgeber
  • Es ist besser, in ein längeres Auslandspraktikum zu investieren, als mehrere Praktika im Inland zu absolvieren. Die Anzahl der Praktika ist keine Garantie für einen einfacheren Berufseinstieg.*

Quelle: Meike Fries, Zeit Online: Absolventen­-Studie: "Praktika sind wichtig, aber nicht alles” 09.09.2016, 8:15