Willkommen in Afrika. Hier ist alles ein bisschen anders.

"Komm lass es uns durchziehen!" Christopher und Matthias, Gebrüder und ein starkes Team, verschlug es in ihrer Wanderlust zuerst nach Argentinien, Bolivien und Peru, bevor sie letztendlich unter Ghanaischer Sonne die Grundmauern eines Kinderheimes in Kasoa hochzogen – Stein auf Stein ließen sie mit Hilfe der Einheimischen das Mauerwerk entstehen. 

5.30 Aufstehen!

Das Krähen mehrerer Hähne hat schon angekündigt, dass wir bald aufstehen müssen. Du windest dich noch zweimal aber gleich wird deine Nachbarin an die Tür klopfen und dich endgültig wecken. Ohne Wecker ist es manchmal wirklich mühsam.

Nach einem kleinen Frühstück, das du noch ganz verträumt in dich hineinschlingst geht es los. Du schiebst das alte, verrostete Fahrrad aus einem engen Unterstand unter der geländerlosen Treppe hervor. Erstmal 45 Minuten mit dem Fahrrad zur Baustelle. 45 MINUTEN!

Die Morgenhitze

... macht dir unvermeidlich klar: es wird heiss heute! Schon jetzt stockt die Luft und das um 6 Uhr morgens. Wegen der tiefen Krater in den lehmroten, sandigen Straßen ist deine ganze Aufmerksamkeit gefordert. Schnell bist du hellwach und suchst dir den besten Weg zwischen den Autos, die scheinbar alle zur nahegelegenen Kirche fahren. Die Kinder am Wegesrand rufen “Obluni” nach dir, “Weisser” und winken. Manchmal führen sie sogar einen Tanz auf, um deine Aufmerksamkeit zu wecken. Sie sind glücklich und scheinen das Leben zu feiern.

Die Zeit bis zum Bauplatz vergeht ziemlich schnell. An der benachbarten Baustelle werden die Werkzeuge abgestellt. Du wirfst zwei Säcke Zement auf einen Schubkarren, der eigentlich schon seinen Zenit überschritten hat. Das Rad hängt schief in der Fassung und du schiebst den Karren einige hundert Meter bis du endlich angekommen bist. Mit gutem Werkzeug wäre alles einfacher, aber in Afrika musst du mit dem zurechtkommen, was du hast.

 

Der afrikanische Arbeiter, der dich unterstützt, kauft einen Sack Wasser. Man trinkt das Wasser aus Plastikbeuteln, in die man mit dem Mund ein kleines Loch reißt. Welch ein Genuss bei 40 Grad und 90 Prozent Luftfeuchtigkeit! Ohne Wasser ist man aufgeschmissen.

Du wirfst den ersten Zementsack auf den Sandhaufen und zerstichst ihn mit deiner Schaufel. Schnell wirfst du mehrere Ladungen Sand und Kies darauf und vermischt das Ganze. Alles kommt auf einen Haufen und wird mit Wasser nur mit einer Schaufel bewaffnet zu Beton angerührt. Alles per Hand.

Langsam macht sich die Hitze bemerkbar. Du wirfst einen schnellen Blick auf den übrigen Beton, der heute verbraucht werden soll. Die Kleidung klebt bereits am Körper und dir tropft der Schweiß von der Stirn. Der Zement klebt überall an dir. Hände, Füße, sogar das Gesicht ist von Mörtelspritzern bedeckt, die unvermeidbar sind, wenn man den fertigen, flüssigen Mörtel in die Schubkarre schaufelt.

Schubkarre für Schubkarre  

... schüttest du den Beton über die Grundmauern, um eine Unterlage für das Mauerwerk zu schaffen. Ein Drittel ist geschafft. Als deine Kräfte weniger werden, fragst du nach der ersten Pause. Der afrikanische Arbeiter lacht ein bisschen und sagt: five minutes (5 Minuten). Selbst im Schatten und ohne dich zu bewegen schwitzt du unaufhörlich. Dein Blick wandert zu Ajingo, dem afrikanischen Arbeiter. Auch er legt eine Pause ein und isst etwas. Er arbeitet so Tag für Tag für Tag. Wahnsinn. Er sieht schmächtig aus, hat aber Muskeln aus Stahl. Im Zweifel trägt er einen ganzen Sack Zement einen halben Kilometer lang – auf dem Kopf. Die Sonne scheint ihm weniger zu schaffen zu machen. Er trägt Sandalen oder stapft barfuß durch den flüssigen Beton. Und er kann krumme Nägel mithilfe eines Steins in fünf Schlägen zu perfekt geraden Nägeln umformen. So was lernt man schnell in Afrika.

Zum Mittagessen

... gehst du zu einer nahegelegenen Hütte, bei der es ein bisschen zu essen gibt. Die Ghanaer sind freundlich, begrüßen dich herzlich (Hey Mr. Chris!) und bitten dich darum Platz zu nehmen. Es gibt Suppe mit Fisch. Der Hausherr gießt dir ein. Du fragst nach Besteck, worauf die Männer zu lachen beginnen. Du musst mit den Händen essen. Nach kurzer Zeit wieder Gelächter. Du schaust auf. Alle grinsen dich an. Mit suppenverschmiertem Gesicht lächelst du zurück. Was ist los? Sie lachen weil du deine linke Hand benutzt. In Afrika isst man nur mit rechts, weil man mit der linken den Hintern abwischt. Nochmal Lachen als du unbeholfen versuchst nur mit rechts zu essen. Weil du so hungrig bist, schmeckt dir das Essen wahnsinnig gut. Richtig lecker.

Aber nun zurück auf die Baustelle.

In der Mittagshitze ist es am schlimmsten. Du schleppst die nur noch halb gefüllte Schubkarre mit Mühe zum richtigen Platz. Das Ausleeren ist der schwierigste Teil. Einatmen, Ausatmen, heiße Luft strömt dir durch die Lungen, während du die Schubkarre anziehst und ausschüttest. Mörtel spritzt dir auf die nackten Unterschenkel. Es wird etwas kühler. Ein Glück. Nur noch 30 Grad. Wie viele Schubkarren werden es noch sein? Fünf, Zehn, Fünfzehn? Kurz bevor du die letzte Schubkarre fertig machen kannst, beginnt es zu regnen. Erst ein Tröpfeln, bis sich der ganze Himmel über dich ergießt. Zuerst reicht es, sich blecherne Tragekörbe über den Kopf zu halten. Dann wird der Regen zu stark und du rennst zum nächsten überdachten Neubau nebenan um dich unterzustellen. Ein richtiges Gewitter! Glücklicherweise ist gerade Regenzeit. Du kannst dir nicht vorstellen, dass es während der Trockenzeit noch viel heißer werden kann.

An einer Stelle ergießt sich ein kleiner Wasserfall vom Dach. Zeit um sich den klebenden Zement von Händen und Füßen zu waschen. Ajingo legt sich hin und versucht zu schlafen. Dann springt er auf und sagt, er hat sein Handy liegen lassen. Er sprintet los und als er zurückkommt lachen wir alle. Das Handy funktioniert wirklich noch. Generell sind die Umstände leichter, wenn du dich darüber lustig machst. Sonst wäre es vielleicht unerträglich.

Immer, wenn du etwas Verrücktes siehst oder hörst, sagst du:

"DIA – Das ist Afrika."

Endlich hat der Regen aufgehört und du konntest dich etwas trocknen. Noch zwei Schubkarren und es heißt: AIKO! FERTIG! Nur noch die Werkzeuge abwaschen und du kannst dich aufs Fahrrad schwingen. Auf dem Heimweg kannst du nach neun Stunden Arbeit kaum noch den Fahrradlenker greifen, weil alles schmerzt. Aber er reicht noch, um den Kindern zurückzuwinken, die dich unaufhörlich grüßen.

Es gibt Essen, wenn du “zuhause” ankommst. Die schweißnassen Kleider kleben dir am ganzen Körper. Du steigst in die “Dusche”, die aus mehreren Wasserbehältern besteht, die du über dir ausschüttest. Meistens funktioniert die Wasserleitung nicht. Die kühlen Tropfen perlen an dir ab und du wäschst dir den Zement von Händen und Füßen. Für einige Minuten fühlst du dich wie neu geboren. Nach einem Arbeitstag kommt die Dusche dir besser vor als der schönste Whirlpool der Welt.

Dich hat das Interesse gepackt? 

Verstehen wir, die Schilderungen von Christopher und Matthias sind phänomenal! Wenn du auch in dein Freiwilligenprojekt in Ghana durchstarten willst, dann funktioniert das ganz einfach:

Findest du nicht gleich das ideale Projekt, der Entschluss in Afrika zu helfen ist aber gefasst, dann kontaktiere uns einfach. Durch unsere Helfer vor Ort sind wir stets informiert über alle Projektmöglichkeiten und immer up to date! Wir freuen uns darauf von dir zu hören. 

Ghana, hier ist alles ein bisschen anders.

Du bist vollkommen erschöpft und wirst gut schlafen können. Alle Muskeln des Körpers brennen, aber es ist ein wunderbares Gefühl etwas geleistet zu haben. In den letzten Minuten vor dem Einschlafen träumst du von den Kindern, die in dem Waisenhaus bald spielen können.

Willkommen in Afrika!