Ein Praktikum in Peru – was ist zu erwarten?

Globetrotter aus aller Welt lockt es nach Lateinamerika, um  während eines Sprachkurses das Spanisch zu verbessern oder um Freiwilligenarbeit zu leisten. Doch für ein professionelles Praktikum den Schritt nach Peru zu wagen, daran denke wenige. Klar, auch wenn Machu Picchu und bunte Traditionen locken, warum das Land gerade für ein Praktikum außerhalb des sozialen Bereiches attraktiv sein sollte, scheint auf den ersten Blick nicht einleuchtend. Auf den zweiten aber sehr wohl.  Diplom-Ingenieur und Praktikant Thomas beschreibt, was ihm die 6 Monate Peru boten. 

Lektion Nummer 1: Erwartungshaltung zurückschrauben

Diplom-Ingenieur Thomas wollte, bevor er sich in die Arbeitswelt stürzt, Technologie gern aus einem anderen Blickwinkel sehen. Ein Technologie-Praktikum in Peru erschien ihm daher genau auf den Punkt. Im Büro eines Technologieunternehmens wollte er arbeiten, am besten nah an der Produktion oder im Service. Als er den ersten Fuß in sein Gastunternehmen setzte, war er zunächst überrascht. Da es sich um einen Hersteller für Solarsysteme handelte, rechnete er mit einem großen Produktionstandort. “Letztlich ist es mehr oder weniger ein Verkaufsshop mit Reparaturwerkstatt für die Instandhaltung. Das Geschäft spezialisierte sich auf den Verkauf von Solarsystemen und Reinigungssystemen. In der Firma arbeiten insgesamt acht Mitarbeiter.”

Die erste Lektion hatte er also recht früh gelernt. Was in Deutschland eine große Firma sein mag, muss in Peru aufgrund der geringen Verbreitung des technologischen Fortschritts nicht das gleiche bedeuten. Also hieß es hier schon mal: Erwartungshaltung zurückschrauben.

Ein gut strukturierter Arbeitstag

Während seines 4-monatigen Praktikums hat Thomas Reinigungssysteme repariert, Websiten für den Verkauf von Solar- und Fotovoltaik Anlagen erstellt und die Kalkulation von Solaranlagen für Hotels oder andere Kunden übernommen.

Die Arbeitszeiten beliefen sich von 8:30 Uhr bis 18:30 Uhr, mit eineinhalb Stunden Mittagspause. Ein gut durchstrukturierter und fordernder Arbeitstag, der für Einheimische sogar noch über den Standard in Europa hinausgeht.

“Gearbeitet hatte ich Montag bis Freitag, die Kollegen teilweise auch Samstag. In Peru wird zumeist sechs bis sieben Tage die Woche gearbeitet, weil man sonst nicht genügend Geld verdient.”


Da das Aufgabengebiet interessant und die Arbeit mit den Kollegen sehr angenehm war, machte Thomas die lange Arbeitszeit aber nichts aus.

Nach der Arbeit

Thomas traf sich viel mit Kollegen und Freunden zum Essen oder auch zu Feiern. “Gern hat man neue oder empfohlene Restaurants in der Stadt ausprobiert. Es gibt auch viele gute Diskotheken in der Stadt rund um das Zentrum.”

Generell bietet Cusco viele Freizeitmöglichkeiten und man kann eigentlich immer etwas unternehmen und erleben. “Man kann gut auf Fernsehen und Internet verzichten”, meint Thomas zuversichtlich. Ein guter Grund, um Tablet und Smartphone doch einfach mal zuhause zu lassen, oder?

Das Leben in der Inkastadt

Thomas hatte in einer 6-er WG gewohnt und daher Kontakt zu vielen verschiedenen Nationen. Während er auf der Arbeit sein Spanisch anwenden konnte, hatte er in der Wohngemeinschaft die Gelegenheit sein Englisch aufzufrischen. Gerade mal 10 Minuten waren es mit dem Bus zur Innenstadt, die noch wie zu Inkazeiten angelegt war.

“Es gibt noch sehr viele originale Gebäude. In den vielen verschiedenen Museen der Stadt sieht und lernt man viel über die Geschichte der Inkas.“

 

Auch das Leben in Cusco ist sehr einfach. “Die Leute arbeiten die ganze Woche über, auch sonntags.”, erklärt der Diplom-Ingenieur. Dass sie täglich zu Mindestlöhnen arbeiten, merkt man den Einheimischen nicht an. Gerade Touristen gegenüber sind sie sehr herzlich. “Sie verbergen es und sind trotzdem freundlich, denn sie sind auf den Tourismus angewiesen.” Die Kinder verkaufen nach der Schule Schmuck und Souvenirs an Touristen, um die Familie zu unterstützen.

 

Ein traditioneller Tanz in der Hauptstadt Cusco.

Was bringt die Höhenlage mit sich?

Die Hauptstadt Perus ist auf 3400 Höhenmetern erbaut. Es wird nie richtig warm, aber auch nie richtig kalt. Dennoch räumt Thomas ein, dass es meist “recht frisch ist”. Man sollte also nicht damit rechnen, mit einer attraktiven Gesichtsbräune zurückzukehren? Doch! Denn woran wenige denken, ist, dass die Höhe natürlich auch eine stärkere Sonneneinstrahlung mitbringt. “Im Winter ist es oft sonnig und Sonnenbrandgefahr ist schon nach einer Stunde gegeben.”, bestätigt Thomas. Immer schon einschmieren also. Außerdem ist es nicht auszuschließen, dass sich während des Praktikums auch mal Kopfschmerzen oder Kreislaufprobleme einschleichen können. Ein kleiner Insider-Tipp: der peruanische Coca-Tee schafft hier Abhilfe.

Versicherung, Flug & Co. – Vorbereitung ist alles!

Vor dem Praktikum in Peru ein komplettes Versicherungspaket abzuschließen, klingt zwar auf den ersten Blick etwas übertrieben, ist aber laut Thomas auf jeden Fall jeden Cent wert. Eine Krankenversicherung für eventuelle Doktorbesuche, eine Reise-Unfallversicherung für kleine Pannen im typisch lateinamerikanischen Verkehrschaos, und eine Haftpflichversicherung für die schnellen Hände auf den traditionellen Märkten. “Weil man”, so Thomas, “während man bummelt Reiskörner auf den Kopf geworfen bekommt und so abgelenkt werden könnte.”

Seinen Flug hat Thomas recht früh gebucht, da gerade Reisen nach Südamerika sehr schnell teuer werden. Es ist auch besser, seinen Rückflug bereits gebucht zu haben. Gerade wer als Praktikant gern auch mal einen Ausflug in angrenzende Länder wie Bolivien, Ecuador und Kolumbien machen will, könnte bei der Einreise schonmal nach dem Rückflugticket gefragt werden.

Die Isla del Sol in Bolivien. Ein beliebtes Ausflugsziel für Südamerika-Reisende.


Thomas war es wichtig, vor Abflug einen Ansprechpartner in Peru zu haben, mit dem er Verschiedenes zum Visum, Unterkunft oder Sprachkurs einfach schon im Vorfeld abklären konnte.

“Für mich war es wichtig, dass alles gut organisiert wird, ich habe deshalb das gesamte Paket gebucht. Die Betreuung im Vorfeld des Auslandaufenthaltes war sehr gut und ich konnte jederzeit Fragen und Wünsche zu meinem Aufenthalt und meiner Reise äußern.”


Bitte ein altes Prepaid-Handy mitbringen, besser mit Visa- als mit Maestro-Karte Geld abheben und bei Krankenhausbesuchen Versicherungsbescheinigung und Reisepass bereit halten. Solche Erfahrungswerte lassen sich schließlich schlecht gezielt im Internet recherchieren. Nur wer wie Thomas’ Projektkoordinator in Cusco in Peru lebt, weiß, wie man sich als Tourist in Südamerika am wohlsten fühlt.