Irisch sein ist alles

Ursprünglich wollte ich nach Schottland...

Als ich mich vor zehn Monaten für ein Praktikum in Irland entschieden hatte, war mir noch nicht bewusst gewesen, dass ich mich nur wenige Tage nach meiner Ankunft, in Dublin verlieben würde. Ich wusste, ich würde eine unvergessliche Zeit haben, aber dass ich am Ende gar nicht mehr zurück wollen würde, war eigentlich nicht geplant gewesen. Ursprünglich hatte ich sogar mehr Richtung Schottland und Edinburgh tendiert. Doch in dem Moment, in dem ich das Studentsgoabroad-Angebot Auslandspraktikum-Journalismus-Irland entdeckte (Google-Suche sei Dank!), veränderte sich alles.

Dublin Temple Bar

Ich habe mich auf Anhieb wohl gefühlt

Gleich nach meiner Ankunft in Dublin nutzte ich meine Theaterkontakte, um irische Improvisationstheater-Spieler ausfindig zu machen und besuchte noch am selben Abend eine Show im Anseo – einem Pub im Herzen der Stadt (überflüssig zu erwähnen, dass ich mich auf dem Weg dorthin hoffnungslos verlaufen habe und viel zu spät kam). Ich wurde mit offenen Armen empfangen und habe mich auf Anhieb wohl gefühlt. Der Umgang mit Impro-Spielern ist meistens sehr unbeschwert, weil man das gleiche verrückte Hobby teilt. Aber Iren sind halt auch insgesamt viel offener, als ich es von zu Hause gewohnt war. Genau die Art Menschen also, mit denen ich gut klarkomme. Ähnlich lief es dann auch auf der Arbeit und dafür liebe ich das englische „you“ einfach. Man fühlt sich direkt viel unbeschwerter, wenn man nicht durch das unpersönliche „Sie“ getrennt ist. 

Meine Aufgaben im Praktikum

Studentsgoabroad hatte mir ein Praktikum im Editorial Department eines irischen Magazins vermittelt. Zu meinen Hauptaufgaben gehörten Recherche und Korrekturlesen, aber auch das Schreiben eigener Texte, sowie die Arbeit an der Rezeption. Ich war die „Neue“ in einer Gruppe von Praktikanten, die sich ja aber dennoch in einer ähnlichen Situation befanden wie ich, und so freundeten wir uns schnell an. Über meine beste Freundin – ein deutsches Mädchen, das ein Auslandsjahr in Dublin als Übergang zwischen Schule und Uni gewählt hatte – lernte ich bald auch ihre Freunde kennen. 

Ausflug Dublin

Die Abende an den Wochenenden...

...verbrachten wir in der Gruppe; häufig im Lafayette (25 Westmoreland Street, Dublin 2) oder in der No Name Bar (3 Fade Street, Dublin 2). Tagsüber streifte ich durch die Stadt, auf den Spuren von Oscar Wilde und James Joyce. Ich träume immer noch von Hodges Figgis, dem fünfstöckigen Buchladen in der Dawson Street, der so ziemlich ALLES im Angebot hat. Auch das Writers Museum am Parnell Square ist toll für Literatur-Freaks.

Am 17. März war St. Patrick’s Day! Es ist genauso, wie man es sich vorstellt. Plötzlich ist alles grün, jeder trägt komische Kopfbedeckungen, bemalt sein Gesicht mit irischen Flaggen und Kleeblättern und fängt schon vormittags an zu trinken. Vor allen Dingen Guinness natürlich! Als echter Irland-Fan sollte man das unbedingt einmal richtig erleben, wobei die Parade allerdings jedes Jahr gleich sein soll.

Patricks Day Dublin

Es gibt so viel zu sehen

Aus meinen vielen Wochenendtrip-Plänen, zum Beispiel nach Galway und Cork, ist am Ende leider nichts geworden. Das lag vor allem daran, dass ich lieber in Dublin bleiben wollte, um zum 100. Mal durch das Stadtzentrum zu laufen, an der Liffey entlang zu spazieren, die Secondhand-Läden zu durchstöbern oder im strömenden Regen nach einem Café zu suchen, das nicht zu Starbucks oder zur Insomnia Coffee Company gehört. Simon’s Place in der George’s Street Arcade ist sehr empfehlenswert oder das Restaurant Wuff (23 Benburb Street, Dublin 7) in Smithfield, Nach Dun Laoghaire habe ich es trotzdem geschafft. Wunderschön! Und Howth ist perfekt für einen Tagesausflug, besonders wenn man gerne Meeresfrüchte isst. Aber Vorsicht: Manchmal sehen sie fast noch lebendig aus. Zusammen mit meiner deutschen Freundin habe ich auch die Ghostbus-Tour unternommen und – obwohl uns das sehr touristisch vorkam – viel Spaß gehabt! Grüße an Sebastian, wenn ihr euch dafür entscheidet!

Meeresfruechte Howth

Ich vermisse Dublin

An dieser Stelle möchte ich mich für die Vermittlung durch Studentsgoabroad bedanken. Ich habe den besten Praktikumsplatz erhalten, den ich mir nur wünschen konnte, in einer Stadt, die mir ebenso ans Herz gewachsen ist wie meine Heimatstadt, und Freunden, die ich niemals vergessen werde. Ich vermisse Dublin, ich vermisse es, den ganzen Tag englisch zu sprechen, ich vermisse meine Airbnb-Mitbewohnerin und Maddie, den klügsten Hund der Welt, ich vermisse es, aus dem Koffer zu leben, ich vermisse die gälische Ansage an meiner Endhaltestelle in der Luas „Sráid na Mainistreach“, ich vermisse es, Avocados für 70 Cent zu kaufen. Und ich vermisse Guinness. Aber das gibt es ja zum Glück auch hier – wenn auch nicht ganz so gut.

Meer

Laura war für ein Journalismuspraktikum in Dublin. Obwohl sie am Anfang nach Schottland wollte, bereut sie die Entscheidung auf Zeit in Irlands Hauptstadt zu leben, nicht – ganz im Gegenteil.

Laura in Dublin